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Der Metzger

Hansi Woplatek, der missratene Sohn eines Fleischhauers und Wurstkaisers, ist allem väterlichen Brachial-Anspruch zum Trotz ein echtes Würstel geworden, ein Bub mit zwei linken Händen. Einer, der gerne liest, sinniert, studiert - und dann, statt stolzer Wurstfabrikant, auch noch Schriftsteller wird. Zu allem Unglück ist er zudem noch Vegetarier.
Schlimmer noch, der Wurstkaiser-Sohn veröffentlicht einen Roman, der einschlägt wie eine Bombe. Als dann in der Schlachterei eines Tages unter den zerstückelten Schweinen ein menschlicher Kadaver auftaucht, ist es vorbei mit der Harmlosigkeit.
So landet der Möbelrestaurator und Hobbydetektiv Willibald Adrian Metzger, Nachbar und einstiger Kinderfreund des armen Würstchens, im Rahmen der Recherche in der ihm bisher unbekannten Buchbranche. Der Hauptverdächtige ist seines Zeichens nämlich Literaturkritiker, ein durch und durch mieser Charakter. Einer, der sich an Verbal-Vernichtung ergötzt und auch so den armen, jungen Poeten in tausend Stücke zerrissen hat.
Er muss erkennen: So viel Grauslichkeit kann sich wahrscheinlich nicht einmal der abartigste Krimiautor ausdenken.

Thomas Raab ist 1970 in Wien geboren. Nach abgeschlossenem Mathematik- und Sportstudium lebt er als Schriftsteller, Drehbuchautor und Musiker mit seiner Familie dort. Seine inzwischen sieben Bände umfassende Kriminalroman-Reihe um den Restaurator Willibald Adrian Metzger zählen zu den erfolgreichsten Publikationen in Österreich. Bereits zwei der Bände wurden verfilmt und sind 2015 in der ARD und im ORF ausgestrahlt worden. Zahlreiche Nominierungen und Preise, wie zuletzt den „Buchliebling 2011“ und „Leo-Preutz-Preis 2013“, hat er bereits erhalten. Sein voriges Werk war „Still Chronik eines Mörders“.

Nachdem ich vom Buch „Still Chronik eines Mörders“ recht beeindruckt war, habe ich mich nun an die Reihe der Metzger-Krimis gewagt. Ein total anderes Szenario und mit diesem Buch mein Einstieg in die Metzger-Reihe. Raab hat hier seinen schräg-österreichischen und ihm eigenen Schreibstil, der mit seiner zuweilen verdrehten bildreichen, fast poetischen Sprache nicht so ganz meinen Nerv getroffen hat. So war dadurch bedingt, die Handlungsentwicklung mir einfach zu langatmig und ich musste mich durch die eine oder andere Seite recht quälen. Zum Ende hin nahm das Ganze wieder Fahrt auf, wobei der Schluss irgendwie doch eher wahnsinnig konstruiert und wenig plausibel wirkte. Vielleicht ist ja ein neuer Fall mit anderem Handlungsstrang eher etwas für mich. Ich denke, dieser Band ist für Raab-Fans sicherlich eine Pflichtlektüre, Neueinsteiger sollten gegebenenfalls eher einen der Vorgängerbände versuchen.

Andrea Müller
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