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Du bist mein Tod

Ist es nicht schön, einen Bewunderer und Verehrer zu haben? Nicht für Clarissa. Ihr Kollege Rafe ist bei ihr, sobald sie die Wohnung verlässt. Täglich Briefe, Pakete und Blumen von ihm und dazu sein beständiges Klingeln an der Haustüre. Nicht einmal die Auswahl als Geschworene in einem Prozess in Bath gibt ihr eine Chance auf Ruhe. Auch dies findet Rafe heraus und folgt ihr unaufhörlich. Was Clarissa immer mehr einengt und bedrückt, schaut für die Außenwelt wie eine wunderbare Liebesbezeugung aus. Sie hat keine Aussicht, gegen diesen Stalker zu gewinnen. Im Prozess spitzt sich die Situation ebenfalls zu und es scheint, dass das Opfer auch hier den Kampf zu verlieren droht. Rafe kommt ihr immer näher. Nachdem Clarissa zu allem Schrecken auch noch erfährt, dass Rafes Exfreundin vor Jahren einfach spurlos verschwunden ist, wird die Sache immer bedrohlicher. Diese Liebe kann nur tödlich enden.

In den USA geboren wuchs Claire Kendal in England auf. Ihr erster Roman, „Du bist mein Tod“, erscheint in zweiundzwanzig Ländern. Bereits an ihrem nächsten Roman arbeitend unterrichtet sie Literaturwissenschaft und kreatives Schreiben. Mit ihrer Familie lebt sie im Südwesten Englands.

Anfänglich etwas ungewohnt, da die Autorin in diesem Thriller alles aus der Sichtweise Clarissas beschreibt, saugt einen die Thematik "Stalking" dann aber mit jeder Seite mehr und mehr ein. Claire Kendal schafft es, diesen intensiven persönlichen Druck in einfühlsamer und erschreckender Weise aufzuzeigen. Bedrückung macht sich beim Lesen breit und die Hoffnung bzw. Hoffnungslosigkeit, Rafe das Handwerk zu legen, wächst in einem deutlich an. Der dazu parallel aufgezeigte Prozessverlauf, bei dem Clarissa zu den Geschworenen gehört, verstärkt die Problematik und die sieben tagebuchartig beschriebenen Wochen sind zuweilen der Hölle auf Erden sehr nahe.

Interessante lebensnahe Story, spannend und fesselnd geschrieben. Mal sehen was Claire Kendal als nächstes für uns hat.

Michael Müller