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Thomas Kastura Das dunkle Erbe

Ein gut geschriebener Krimi wird noch ein wenig interessanter, wenn man die Stadt, in der die Handlung spielt, kennt.
Dreh- und Angelpunkt in Thomas Kastura’s Kriminalroman „Das dunkle Erbe“ ist die Großstadt Köln und ihre sozial unterschiedlichen Stadtteile. Kommissar Raupach, der nach einem missglückten Fall vorübergehend in das Archiv der Polizei strafversetzt wurde, wird reaktiviert, um zwei brutale Morde aufzuklären. Wie es scheint, hat man den Täter schon geschnappt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der Kölner Arzt Bernhard Schwan gestehen wird. Die Beweise sind zwar noch dürftig, aber da es sich bei den Opfern um die Ehefrau und die Ex-Geliebte des Arztes handelt, ist sich die Polizei sicher, das Geständnis bald zu bekommen.
Raupach und seine Kollegen ermitteln im Umfeld des Arztes, der sich im Nobelviertel Marienburg eine Villa als Praxis mit der Gynäkologin Eva von Barth teilt. Als man die Gynäkologin vernehmen will, ist diese jedoch verschwunden und bleibt es auch nach intensiver Suche. Raupach’s Assistentin Photini sucht im Umfeld von Dr. Schwan und wird in der Nähe des Ferienhauses des Arztes fündig. Im Unterholz entdeckt sie die Leiche von Eva von Barth, die auf die gleiche grausame Art und Weise umgebracht wurde wie die beiden anderen Opfer.
Doch Bernhard Schwan bleibt eine harte Nuss, ein Geständnis ist von ihm nicht zu erreichen. Also müssen die Kommissare versuchen anders an die Überführung des Mörders heran zu gehen. Sie brauchen ein Motiv, vor allem ist unklar wieso Eva von Barth ermordet wurde. Raupach beginnt, in der Vergangenheit von Eva von Barth und der Villa zu graben. Dabei wird er auf die amerikanische Journalistin Sharon Springman aufmerksam, die anscheinend in Kontakt mit Eva von Barth stand und über die Vergangenheit der Villa recherchiert. Als Kommissarin Thum Sharon Springman bei einem Einbruch in die Villa verfolgt, wird sie niedergeschlagen und schwer verletzt. Was haben Sharon Springman’s Recherchen und ihre jüdische Vergangenheit mit der Villa zu tun? Was verbindet Viktoria Brehm, die beste Freundin der Ermordeten Eva von Barth, mit der geheimnisvollen Villa? Es erscheint immer unwahrscheinlicher, dass Dr. Schwan der Mörder ist. Raupach tappt im Dunkeln und seine persönlichen Probleme, unter anderem die schwere Krebserkrankung seines besten Freundes Felix, machen die Lösung dieses kniffeligen Falles nicht leichter.
Thomas Kastura gelingt es in seinem Roman sehr bodenständig zu bleiben, die Probleme, auch die Privaten, mit denen sich die Kommissare herumschlagen, sind ganz normal, was die Ermittler durchwegs sympathisch erscheinen lässt. Verpackt in einen undurchsichtigen, geheimnisvollen Fall ist der Krimi spannend von der ersten bis zur letzten Seite.

Michaela Straube