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Wetterschmöcker

Wer hat sich das nicht schon gewünscht: das Wetter vorhersagen zu können. Die Meteorologen versuchen es und eine spezielle Gruppe von Naturmenschen, die sogenannten Wetterschmöcker, sind auch recht gut dabei. Kantig, urtypisch, geradlinig sind sie in der Lage, die Natur zu lesen, beachten deren Gefahren und Reichtümer, um ihre Prognosen machen zu können. Einer dieser Männer, Alois Thüring, erscheint bei Kommissar Eschenbach, um seine Nichte als vermisst zu melden. Eschenbach ist darüber eher verwundert, da Vermisstenanzeigen normalerweise an anderer Stelle und nicht beim Leiter der Kriminalpolizei Zürich aufgegeben werden. Aber Thüring bleibt hartnäckig und Eschenbach recherchiert dann doch. Die vermisste Clara Thüring arbeitet in Spitzenposition in einem Unternehmen, welches mit Rohstoffen handelt.
Parallel wird in einem entlegenen Waldstück an der Sihl eine nach indianischem Ritual verbrannte Leiche mit Spuren von Edelweiß gefunden. Irgendwie sehr rätselhaft. Als Eschenbach im Rahmen seiner Ermittlungen/Vermisstensuche in die Welt der Glaspaläste mit der ihnen eigenen Macht vordringt, ist er schneller als gewollt in eine Intrige verwickelt, die auch bald sein eigenes Leben gefährdet.

Michael Theurillat, Jahrgang 1961 in Basel geboren, studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Wirtschaftswissenschaften. Er arbeitete jahrelang überaus erfolgreich im Bankgeschäft. Eine der beliebtesten Krimiserien in der Schweiz sind seine Romane um den Kommissar Eschenbach. So wurde 2012 der „Rütlischwur“ mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet. Mit seiner Familie lebt Michael Theurillat in der Nähe von Zürich.

Dieser Roman, bereits Band fünf der Reihe, ist mein Einstieg um die Romanfigur Kommissar Eschenbach. Michael Theurillat hat die besondere Gabe, ohne sich reißerischer Klischees bedienen zu müssen, den Leser mit einer Leichtigkeit in seinen Bann zu ziehen. Er bringt den Schweizer Flair in Landschaft wie auch die Mentalität der Leute nahe, und so ist es einfach ein Genuss, sich der Lektüre hinzugeben. Flüssig und spannend fliegen die Kapitel nur so dahin, alles ist überaus realitätsnah erzählt, und so wird viel zu schnell das Ende des Buches erreicht. Schweizer Hochgenuss für mich und ich warte schon heute auf eine Fortsetzung der Reihe. Absolut empfehlenswerter Kriminalroman für den Sommer, auch recht erfrischend, weil er im Winter spielt!

Michael Müller