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Parasite

Dass "Parasite" ein außergewöhnlicher Film ist, war bereits vor fast einem Jahr klar, als der südkoreanische Streifen beim Filmfestival in Cannes die Goldene Palme gewann. Dass er danach alle großen Preise weltweit abräumen würde, bisher über 200 Preise, hat selbst Cineasten überrascht, vor allem, als er neben dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film sogar den Oscar für den besten Film gewann.
Nun liegt er auch in Deutschland auf BluRay und DVD vor.

Die Kluft zwischen arm und reich ist in Südkorea riesig. Familie Kim ist auf der Verliererseite, denn sie hausen zu viert in einem feuchten Keller und nehmen jeden Job an, den sie bekommen können. Der Sohn der Familie, Ki-woo, trifft einen ehemaligen Schulfreund, der ihm vorschlägt, ihn während seiner Abwesenheit als Nachhilfelehrer für Englisch bei einer wohlhabenden Familie zu vertreten. Ki-woo ist beeindruckt vom Anwesen dieser reichen Familie Park, deren Wohnzimmer ist weit größer als ihr gesamter Keller. Durch eine List bringt er auch seine Schwester Ki-jung bei der Familie unter, die sich als Kunsttherapeutin um den kleinen Sohn der Familie kümmert. Die Geschwister sorgen dafür, dass nach dem Fahrer auch die Haushälterin der Familie entlassen wird, um so ihre Eltern unterzubringen, so dass nun die gesamte Familie Kim für Familie Park arbeitet.
Alles geht gut, bis plötzlich die ehemalige Haushälterin wieder auftaucht, und Familie Kim die Geheimnisse im Haus kennenlernt, die unweigerlich zum totalen Chaos führen.

Der Film liegt auf BluRay in der deutschen und koreanischen Sprachfassung (DTS-HD Master Audio 5.1). An Extras finden sich neben Teaser und Trailer auch das kurze Pizza-Video.

Eines wird schnell klar: Dieser Film hat alle Preise verdient.
Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Bong Joon-ho hat mit "Parasite" (wieso wurde der Titel eigentlich nicht eingedeutscht?) einen sehr außergewöhnlichen Film geschaffen, der seine Zuschauer fassungs- und atemlos zurücklässt. Hier wird eine scharfe Satire abgeliefert, die alles hat, was man von einem solchen Film erwartet: herausragende Darsteller, eine subtil-geniale Kameraführung und ein effektvoller Schnitt ebenso wie bösen Humor, durchgehende Hochspannung und die große Lust an der radikalen Zuspitzung der Verhältnisse.

Hier hat ein gefeierter Regisseur einen Film geschaffen, der so anders ist, dass er allein deswegen schon auffällt, aber durch die spektakulären Bilder und einem Drehbuch voller Überraschungen seine Zuschauer ganz und gar verzaubert und im besten Sinne unterhält. Damit hat Bong Joon Ho ein Meisterwerk geschaffen, das noch lange nachhallen wird, auch weil es sich aus dem derzeitigen Hollywood-Einheitsbrei voller Fortsetzungen und Bio-Pics herrlich abhebt.

Nachdem diesem Film nur ein übersichtlicher Erfolg an den deutschen Kinokassen beschert war, läuft er seit der Oscar-Verleihung deutlich besser, und so kommt ihm, vor allem durch Mundpropaganda, die Beachtung zu, die "Parasite" zusteht.

"Parasite" sollte man deswegen schon sehen, weil er so herrlich anders ist, als das, was uns Zuschauern in letzter Zeit vorgesetzt wurde. Die Darstellung des Kontrasts zwischen arm und reich wirkt zu keiner Zeit übertrieben, die Spitzen in den Dialogen sind wohldosiert gesetzt, so dass die Filmlänge von über zwei Stunden kaum auffällt.

Hier kann ganz ohne Übertreibung von einem der besten Spielfilme überhaupt geredet werden, der durch das Zusammenspieler auch der kleinsten Elemente zu einem Meisterwerk wurde.

Diesen Film sollte sich niemand entgehen lassen, Cineasten sowieso nicht. Hier wird jeder gut bedient und niemand enttäuscht.

Pascal May
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