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The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit

Insgesamt hatte der Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Nate Parker sieben Jahre damit verbracht, am Film und der Entwicklung des Drehbuchs zu arbeiten und die Finanzierung des Films zu sichern, um die reale Geschichte des von Nat Turner geführten Sklavenaufstands von 1831 zu erzählen. Parker selbst hatte 100.000 Dollar seines eigenen Vermögens beigesteuert, elf Investorengruppen sicherten letztendlich die gesamte Produktion. Gezeigt wurde "The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit" erstmals im Januar 2016 beim Sundance Film Festival und wurde von Publikum und Kritik begeistert aufgenommen. Nach dem großen Hype folgte der Absturz, so dass der Filmstart in Deutschland mehrfach verschoben wurde und nun endlich auf BluRay und DVD vorliegt.

Anfang des 19. Jahrhunderts lebt Nat Turner mit seiner Familie in Virginia, wo sie als Sklaven auf einer Baumwollplantage arbeiten. Nat erfährt das Privieg, lesen zu lernen, doch er darf nur in der Bibel lesen, weil, nach Meinung der Plantagenbesitzer, die anderen Bücher zu schwierig für Afroamerkianer wären, um deren Inhalt zu verstehen. Nat studiert die Bibel und beginnt, als Prediger Gottesdienste für die Sklaven zu halten. Gegen Geld für seinen Besitzer hält er auch auf anderen Plantagen Gottesdienste, und so reist er durch das Land, um das Evangelium zu lehren, doch vor allem erlebt er schlimmste Zustände, wie mit den anderen Sklaven umgegangen wird und sie behandelt werden.
Nachdem seine frisch angetraute Ehefrau Cherry von weißen Männern vergewaltigt und übel zugerichtet zurückgelassen wird, möchte er sich nicht weiter als schwarzer Prediger missbrauchen lassen. Nachdem ihm bereits als Kind vorhergesagt wurde, dass er einmal ein Prophet und Anführer sein würde, zettelt er einen Aufstand schwarzer Sklaven an.

Der Film liegt auf BluRay in der deutschen, französischen, italienischen (DTS 5.1) und englischen (DTS-HD MA 5.1) Sprachfassung vor. Über zwei Stunden an Extras sind auf der blauen Scheibe zu finden, darunter die Dokumentation "Das Vermächtnis von Nat Turner", ein Audiokommentar von Nate Parker, entfallene Szenen, die Dokumentation "The Birth of a Nation: Die Entstehung einer Bewegung", sowie die Specials #AmeriCAN (Kurzfilm), "Free God" (Spoken-Word) und Würdigung unabhängiger Stimmen - Nate Parker wie auch das Drehbuch, eine Bildergalerie und der Original Kinotrailer.

Nachdem "The Birth of a Nation" beim Sundance Film Festival gezeigt wurde, brach ein echter Hype um den Film aus. Ein Bieterstreit um die weltweiten Rechte ging los, bis letztendlich Fox Searchlight mit 17,5 Millionen Dollar das bis dahin höchste Gebot für einen Sundance Film abgegeben hat. Im September wurde der Film beim Filmfestival in Toronto gezeigt, bis der US-Filmstart im Oktober folgte. Zahlreiche Kritiker handelten "The Birth of a Nation" als heißesten Oscar-Kandidaten, die Kritiken überschlugen sich mit Lob. Nichts konnte einen weltweiten Erfolg stoppen, könnte man meinen. Doch dann folgte der Absturz.

Gegen Regisseur, Hauptdarsteller und Produzent Nate Parker wurden Anschuldigungen laut, zusammen mit seinem Freund und damaligen Zimmergenossen Jean McGianni Celestin, der mit Parker das Drehbuch zu "The Birth of a Nation" geschrieben hatte, im Jahr 1999 eine Kommilitonin vergewaltigt zu haben. Ein Gerichtsverfahren endete mit einem Freispruch für Parker, doch die Kommilitonin nahm sich daraufhin das Leben. Parker reagierte auf den Tod der Frau nicht gerade fein und versuchte, das Vergewaltigung und Tod der Frau klein zu halten. Während eines Pressegesprächs lehnte Parker ab, sich bei der Familie der toten Frau zu entschuldigen.
Daraufhin begann das Krisenmanagement zum Film und dessen Macher, in dem darauf bestanden wurde, Parkers Privatleben und den Film zu trennen.

Dass "The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit" ein wichtiger Film ist, um die recht überschaubare, aber mitunter sehr brutale Geschichte der USA aufzuarbeiten, das war allen Beteiligten klar. Dass er zur richtigen Zeit kam, als einmal mehr die Diversität im Land diskutiert wurde, auch darüber gab es keine zwei Meinungen. Doch mit dem Vergewaltigungsvorwurf und der Einstellung Parkers, der darüber hinaus selbst Vergewaltigungsszenen in seinem Film zeigt, ließ sich keine Oscar-Kampagne machen. Die moralische Frage wurde gestellt, ob ein Film hoch dekoriert werden kann, der von einem hohen moralischen Standpunkt aus die US-Geschichte anprangert, wenn dessen Macher selbst über keine einwandfreie moralische Einstellung verfügt?

Das Interesse an "The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit" war schlagartig gedämpft, Kinobetreiber und Filmverleih zeigten den Film auf deutlich weniger Leinwänden als geplant. In mehreren Ländern wurde der Film nicht oder erst deutlich später als geplant in den Kinos gestartet. Die Hoffnung auf den sicher geglaubten Oscar war endgültig verflogen.

Dennoch bleibt "The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit" ein wichtiger Film, der auch heute noch zahlreiche Fragen aufwirft, die unter anderem in den umfangreichen Extras beleuchtet werden. Die zwei Stunden auf wahren Begebenheiten beruhende US-Geschichte, die hier ungeschönt gezeigt wird, dazu bestens besetzt und gefilmt wurde, sollte unbedingt gesehen werden. Filmisch und thematisch gesehen ist der Film einfach zu wichtig, als dass er irgendwo in der Versenkung untergehen und vergessen werden sollte. Ganz bestimmt ist der Streifen keine leichte flimische Unterhaltung mit Chips und Bier, hier geht es um ein dramatisches Stück US-Geschichte, das noch lange nachwirkt.

Pascal May