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Unknown User

Die Horror-Welle scheint so schnell kein Ende zu nehmen, und interessanter Weise sind zahlreiche Low-Budget-Produktionen dabei, die durchaus große Erfolge feiern können.
Wie man Spannung mit einfachsten Mitteln der Social Media entwickeln kann, zeigt "Unknown User".

Sechs gelangweilte Teenies treffen sich online per Skype, um über Belanglosigkeiten zu reden, dabei zu chatten, zu telefonieren und Musik zu hören, als sich ein Unbekannter mit einem bekannten Konto in die lustige Runde einklinkt. Das Konto gehörte Laura, die sich ein Jahr zuvor das Leben genommen hat, nachdem sie sich bei einer Party bis auf die Knochen blamierte, ein Video davon online gepostet wurde und Lauras Ruf mit einem Schlag dahin war.
Doch wer würde so etwas tun, und sich als Laura ausgeben? Alle Anwesenden werden gewarnt: Wer versucht, den Chat zu verlassen stirbt. Wer sich weigert, zu reden stirbt. Wer die Wahrheit über die Ereignisse im vergangenen Jahr verschweigt stirbt. So beginnt ein perfides Spiel, dem sich keiner der Anwesenden entziehen kann. Ist wirklich Lauras Geist zurückkehrt, um Rache zu nehmen? Oder spielt jemand den sechs Freunden einen grausamen Streich?

Der Film liegt auf DVD in der deutschen und der englischen Sprachfassung (Dolby Digital 5.1) vor. Bonus-Material sucht man vergeblich.

Es ist schon recht anstrengend, "Unknown User" zu folgen, zumindest wenn man dem Teenager-Alter entwachsen ist. Es macht nicht sonderlich viel Spaß, sechs gelangweilten Teenies dabei zuzusehen, wie sie Belangloses von sich geben und gleichzeitig noch mehr Belangloses nebenher tun. Doch richtig anstrengend wird es, den getippten Chats zu folgen. Was im Kino ob der großen Leinwand wohl recht gut funktioniert, wird am Fernseher zu einer echten Herausforderung, und so kann man oftmals nur erraten, worum es gerade geht. Zumindest sind alle Texte auf deutsch zu sehen.

Wer all diese Herausforderungen auf sich nimmt, erlebt dennoch mit "Unknown User" einen packenden und unvorhersehbaren Horrorthriller mit hochaktuellem Bezug, dazu in einer neuen, bisher nicht da gewesenen Optik, weil sich der gesamte Film auf dem Desktop der Protagonistin Blaire abspielt. Erfrischend ist, dass die Darsteller unverbrauchte Gesichter haben, denen man problemlos die gelangweilten Teenies abnimmt.
Dumm nur, dass die Auflösung der Story, wer sich denn nun als Laura ausgibt, am Ende des Films verschluckt wird, der nach nur 79 Minuten sein plötzliches Ende findet.

Ohne die Horror-Elemente würde der Film auch als kritische Studie der Social Media funktionieren, damit endlich auch mal die Gefahren aufgezeigt werden, die damit zusammen hängen.

Zwischen Cyber-Bullying, Social-Media-Wahn und Always-On-Mentalität trifft dieser Streifen perfekt den Zeitgeist und wird so zum furchteinflößenden „Blair Witch Project“ für die „Generation Web“.

Pascal May