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Ein Bauch lustwandelt durch Wien

In Wien ist im Vergleich zur deutschen Lebensart vieles anders. Der Wiener geht und redet nicht nur langsamer, er isst auch langsamer als wir Deutschen. Was letztendlich nur bedeutet, dass sie einfach wesentlich mehr genießen. Aus diesem Grunde liebt der Stuttgarter Koch Vincent Klink Wien und seine Einwohner. Mit seiner Frau Elisabeth hat er die Donaumetropole erkundet und schätzt es, in den Kaffeehäusern zu verweilen oder, wie Kaiser Franz Joseph einst, täglich Tafelspitz zu essen und Ottakringer zu trinken. Durch die Prachtstraßen lustwandelt er voller Freude, besucht die früheren Residenzen der Habsburger und übernachtet im Schloss Schönbrunn. Voller Leidenschaft schreibt er über Wiens Geschichte und Kultur, deren Kaffeehäuser, Hotels und Restaurants und natürlich über die österreichische Küche. Sein Buch ist ein Reise- und Kulturführer der besonderen Art mit vielen ausgewählten Rezepten und Anekdoten.

Vincent Klink, 1949 geboren, führt in Stuttgart das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Restaurant „Wielandshöhe“. Einem größeren Publikum wurde er ab 1997 durch die Fernsehsendungen „ARD Buffet“ und „Kochkunst“ bekannt. Als Autor zahlreicher Bestseller wie beispielsweise 2009 „Sitting Küchenbull“ und 2015 „Ein Bauch spaziert durch Paris“ ist er ebenfalls hoch geachtet.

Schon nach den ersten Zeilen merkt man, mit wie viel Herz, Freude und Leidenschaft Vincent Klink die Stadt Wien, ich würde sogar sagen "sein" Wien, in diesem wunderbaren Reise- und Kulturführer beschreibt. Er nimmt einen förmlich mit auf diese Reise, erzählt von der Wiener Politik, aus der Geschichte genauso wie über berühmte Wiener, wo auch natürlich die Kaiserin Sisi nicht fehlen darf. Vor allem aber widmet sich Vincent Klink den leiblichen Genüssen im Besonderen und dem Wiener im Allgemeinen. Seinen Empfehlungen kann man sicherlich getrost folgen, wenn man - wie der Autor - nicht immer auf die Preise sondern besonders auf die Qualität schaut. Das Buch ist in 28 lesenswerte Kapitel eingeteilt und hier geht es wie gesagt mal mehr in die geschichtliche oder kulturelle Ebene, dann wieder in die Beschreibung der einzelnen Prachtstraßen und Residenzen und insbesondere zu Wiens besten Kaffee- und Gasthäusern. Verfeinert wird das Ganze immer wieder mit ausgewählten Rezepten zu Wiener Leibgerichten. Dies beinhaltet Mehlspeisen vom Milchrahm- über den Apfelstrudel bis hin zu Fleischgerichten wie das Wiener Schnitzel und natürlich dem, seiner Meinung nach eine tragende Rolle spielenden, Wiener Tafelspitz. Wer das alles einmal selbst vor Ort probieren und genießen möchte, braucht entweder sehr viel Zeit und Geld oder mehrere Aufenthalte. Einzelne Cafés und Wirthäuser beschreibt er sehr detailliert und liebevoll, aber auch mal durchaus kritisch, wenn dies für diese seinem Empfinden nach notwendig ist. Abgerundet wird zum Ende des Buches das Ganze mit einer von ihm ausgewählten chronologisch geordneten Übersicht von Wiener Persönlichkeiten, gefolgt von einer Auswahl von Kaffeehäusern, Gasthäusern und Hotels, die seiner Meinung nach empfehlenswert sind. Wer noch nicht in Wien war, wird spätestens nach diesem Buch mehr als Lust auf Land und Leute, doch vor allem auf die kulinarischen Genüsse dort haben.

Michael Müller