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Girl on the Train

Rachel pendelt jeden Morgen mit dem Zug nach London, obwohl sie in London gar keiner Beschäftigung nachgeht. Sie hat es aber ihrer Freundin Cathy, bei der sie zur Untermiete wohnt, noch gar nicht mitgeteilt. Rachel hat auch schon seit Jahren ein Alkoholproblem, das sie aber irgendwie nicht zugeben will und sich auch nicht helfen lassen will, denn sie schafft es schon alleine davon weg zu kommen. Auf der Fahrt nach London hält der Zug immer an der gleichen Stelle kurz an und Rachel beobachtet aus dem Zug die Leute in ihren Häusern. Ihren Augenmerk richtet sie daher nun immer dem gleichen Haus zu und sieht eine junge Frau auf der Terrasse stehen. In ihrer Fantasiewelt nennt sie die Frau Jess und deren Mann Jason und denkt sich dazu Geschichten aus. In diesem Ort hat Rachel auch schon gelebt, damals als sie noch mit ihrem Freund Tom zusammen war. Die Beziehung ging aber zu Bruch, weil Tom Anna kennenlernte und sie wegen Rachels Alkoholproblem sowieso dauernd Streit hatten. Rachel ist aber immer noch in Tom verliebt. Sie ruft ihn auch hin und wieder an, aber Anna ist darüber immer sehr erbost, vor allem wenn sie Rachel dann noch auf der Straße stehen sieht. Als Rachel dann nach reichlichem Alkoholkonsum wieder an dieser Station aus dem Zug aussteigt, stürzt sie auf der Treppe, aber an mehr kann sie sich dann nicht mehr erinnern. Sie erfährt dann einige Tage später, dass Megan (also „ihre“ Jess) verschwunden ist. Rachel ist sich sicher, dass das damit zu tun hat, dass sie einen anderen Mann mit Jess bzw. Megan auf der Terrasse stehen sah. Rachel geht mit ihrer Information zur Polizei, dort will ihr so recht niemand glauben. Sie kann es nicht auf sich beruhen lassen und geht zu Scott (Jason), um ihm zu sagen, was sie gesehen hat. Scott ist froh, dass er mit jemandem reden kann und lädt Rachel zu sich ins Haus ein. Rachel versucht immer wieder, sich an den Tag zu erinnern, an dem sie gestürzt ist, denn sie meint, dass sie damals ihren Ex Tom mit dem Auto gesehen hat, und bei ihm noch jemand eingestiegen sei. Megan bleibt weiter spurlos verschwunden, sogar die Polizei tappt nach einigen Festnahmen immer noch im Dunkeln. Rachel kommt mit ihren Erinnerungen dem Täter immer mehr auf die Spur.

Paula Hawkins wurde in Simbabwe geboren und ist auch dort aufgewachsen. 1989 zog sie mit siebzehn Jahren nach London, wo sie ihre Schule beendete und sich an der Oxford University einschrieb, um Politikwissenschaften, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Nach Abschluss ihres Studiums arbeitete sie als Wirtschaftsjournalistin, unter anderem für „The Times“. Sie schrieb schon immer gerne Geschichten, aber erst 2008 ergab sich die Gelegenheit, sich an einem Roman zu versuchen. „Girl on the Train“ ist ihr erster Thriller. Momentan schreibt sie an einem düsteren, ziemlich unheimlichen Psychothriller, der von der Beziehung zweier Schwestern handelt.

Der Roman bzw. Psychothriller „Girl on the Train“ von Paula Hawkins wurde bereits vor der Veröffentlichung von den Medien hochgelobt, und da war natürlich die Erwartung auf den angekündigten Mega-Knaller sehr groß. Bevor es überhaupt fertig geschrieben war, hatte der Verlag die Rechte international verkauft, selbst die Filmrechte waren da schon vergeben. Ein riesiger Hype wurde um das Buch und seine Geschichte aufgebaut, der kaum noch nachvollziehbar war.
Ich muss ehrlich gestehen, mich am Anfang immer wieder gefragt zu haben, wann es denn endlich einmal spannend würde. Die Spannung kam dann im letzten Drittel des Buches, wo dann klar wurde, was auf den vorherigen Seiten gefehlt hat. Der Schluss bzw. die Auflösung, wer denn nun der Täter ist, war letztendlich sehr gut gemacht, doch darauf müssen die Leser lange warten und eisern durchhalten.

Wer Psychothriller liebt, für den fehlt der Zunder am Anfang des Buches, aber für Krimileser, die gerne etwas Neues ausprobieren wollen, wäre "Girl on the Train" eine gute Alternative.

Gudrun Loher