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Wo war ich noch mal?

Den britischen Komödianten John Cleese kennt nahezu jeder auf der Welt, der sich gerne auf hohem Niveau unterhalten lässt, was nicht nur an seiner Körperlänge von 1,96 m liegt, die er schon im Alter von 13 Jahren erreicht hatte. Entweder als Teil der Anarcho-Comedy-Truppe Monty Python, in der Rolle als neuer Waffenmeister R in zwei James Bond-Filmen, als Basil Fawlty in der Kult-TV-Serie "Fawlty Towers" oder Drehbuchautor und Hauptdarsteller in der Oscar-prämierten Filmkomödie "Ein Fisch namens Wanda". Nun erweitert er sein Tun auf seine neue Tätigkeit als Buchautor, nachdem er mit "Wo war ich noch mal?" seine Autobiographie vorgelegt hat.

Als Einzelkind im britischen County Somerset - genauer lässt sich das nicht sagen, denn bis zu seinem 13. Lebensjahr war die Familie Cleese bereits zwölf Mal umgezogen - aufgewachsen, hatte er schon immer ein schwieriges Verhältnis zu seiner Mutter. Seine Eltern aus der Mittelschicht ermöglichten ihrem einzigen Kind den Besuch von Privatschulen, wo ihn mancher Lehrer für seine spätere Karriere prägten, bis er in Cambridge Jura studierte und promovierte. Seine Karriere beim Fernsehen begann er bei der BBC in London, wo er zunächst als Texter arbeitete, bevor er sich mit seiner Radiocomedy "I'm Sorry I'll Read That Again" einen Namen machte. Erste Fernsehauftritte folgten ab 1966 mit verschiedenen Comedy-Formaten. 1969 wurde erstmals die Sendung im britischen Fernsehen ausgestrahlt, die als "Monty Python's Flying Circus" für Aufsehen sorgte. Zusammen mit Graham Chapman und Eric Idle, die er aus seiner Studienzeit in Cambridge kannte, Terry Gilliam, den er während eines Aufenthaltes in den USA kennenlernte, Michael Palin und Terry Jones, die gemeinsam in Oxford studiert hatten, bildete er die Truppe "Monty Python", mit der er weltweit bekannt und berühmt wurde. Die BBC ging das Wagnis ein, dieser Truppe Sendezeit zur Verfügung zu stellen, ohne zu wissen, worauf sie sich einlassen würde oder welche Inhalte gesendet werden sollten. Der Erfolg gab ihnen recht und so wurde das TV-Format mit albernen, grotesken und anarchistischen Sketchen und Witzen in insgesamt 45 Folgen bis 1974 fortgesetzt. Cleese, dessen Familienname ursprünglich tatsächlich Cheese lautete, schrieb und spielte nunmehr alleine in der TV-Serie "Fawlty Towers", die ebenso weltweiten Erfolg hatte. Danach tat er sich wieder mit den anderen Mitgliedern der "Monty Python"-Truppe zusammen und drehte drei Spielfilme, die bis heute Kultstatus besitzen. Fortan trat er in verschiedenen Filmen auf, schrieb Drehbücher, synchronisierte Animationsfilme oder hatte Gastauftritte in zahlreichen Fernsehserien und verschiedenen Musik-Projekten.

Mit "Wo war ich noch mal?" bekommt man das, was man von John Cleese erwartet: feinste Unterhaltung auf hohem Niveau, viel Wortwitz und augenzwinkernde Bemerkungen, aber vor allem einen Einblick in sein bisheriges Leben mit und ohne Monty Python. Private Erfolge und Rückschläge, insbesondere die ausnehmend teure Scheidung von seiner dritten Ehefrau, beschreibt er vollkommen unverblümt, aber auch von Graham Chapmans holprigem Coming Out weiß er zu berichten. Er schreibt über seine Kabarett-Anfänge in Cambridge, vernichtende Kritiken am Broadway, Tourneen durch Kanada und Neuseeland und wie er sich dem weiblichen Geschlecht langsam annäherte. Aber auch, wie er seine zweijährigen Erfahrungen als Lehrer später im Monty Python Film "Der Sinn des Lebens" verwenden konnte.

Dass er noch immer zu den ganz Großen im Comedy-Fach gehört, zeigen nicht nur die zahlreichen Auszeichnungen, die er bisher als Drehbuchautor und Schauspieler erhalten hat. Als "Monty Python" 2014 ankündigten, dass sie in der Londoner O2-Arena einen Auftritt planen, war diese Veranstaltung mit 20.000 Plätzen innerhalb von nur 45 Sekunden ausverkauft. Die Tatsache, dass die Ankündigung dieses Auftritts als bedeutende Nachricht um die Welt ging überraschte die Pythons ebenso wie der rasend schnelle Ausverkauf, wie es Cleese in seinem Buch beschreibt. Daher gaben die Komiker schließlich insgesamt zehn Vorstellungen ihrer Show "Monty Python Live (mostly) - One Down, Five To Go", die aber auch innerhalb kürzester Zeit ausverkauft waren.

Die Autobiographie von John Cleese liest sich mitunter wie ein Sketch von Monty Python, ist voller witziger Beschreibungen zahlreicher Anekdoten, und macht rundherum Spaß beim Lesen. Das Buch lässt jedes Herz der Anhänger von John Cleese, "Fawlty Towers" und Monty Python höher schlagen, und sollte daher in keiner Sammlung fehlen. Doch auch die Wenigen, die John Cleese bisher nicht kannten, werden an dieser sehr gelungenen Autobiographie ihren Spaß haben!

Pascal May