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Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand

2014 verzauberte die Geschichte des Hundertjährigen Allan die Welt, als - nach dem sensationellen Bucherfolg - sein Leben im Film erzählt wurde. Allein in Deutschland stand das Buch 32 Wochen lang auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste, und bis heute wurden davon über 4,4 Millionen Bücher verkauft. Über 1,2 Millionen Besucher zählten die deutschen Kinos. Kein Wunder, dass es zu einer Fortsetzung im Kino kam, und nun geht es auch im Heimkino mit Allan weiter.

Ein Jahr nach seiner großen Flucht aus dem Altenheim feiert Allan zusammen mit seinen Freunden und einem Affen seinen hundertersten Geburtstag auf Bali, und das direkt am Strand. Dabei öffnet er eine Flasche mit einer roten Brause, die sich als "Volkssoda" aus russischer Produktion entpuppt. Die Anwesenden sind begeistert vom Geschmack des Getränks, und als sich Allan erinnert, dass er das Rezept für diese Limo in Berlin versteckt hält, bricht die muntere Truppe nebst Affen in den Westteil der ehemals geteilten Stadt auf. Allan erinnert sich, dass er zu Zeiten des Kalten Krieges als Doppelagent für die USA und die Sowjetunion tätig war. Er war dabei, als die Sowjets eher aus Zufall das Rezept für die "Volkssoda" erfunden haben, das kurze Zeit später sogar Thema der Verhandlungen zwischen US-Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnev war. Für dieses Brause-Rezept mussten sogar mehrere Agenten ihr Leben lassen.
Gleichzeitig erkennt Kristina, Tochter des sowjetischen Agentenführers Popov, der unter anderem Verbindungsmann zu Allan war, den Schweden auf YouTube. Sie ist besessen davon, ihn zu finden und sich an ihm zu rächen, weil er ihr Leben versaut hat.
Die CIA schaltet sich ebenso ein, um diesen ominösen Fall um die "Volkssoda" aus den Siebzigerjahren endlich erledigen zu können, doch was die Agenten in Schweden vorfinden, lässt sie an den Skandinaven zweifeln.
Allan erzählt seinen MItreisenden auf dem Weg nach Berlin immer wieder Fragmente aus seinem Leben, vor allem, was er alles in den Siebziger Jahren erlebt hat, als er sich sogar seinen Hintern hat tätowieren lassen.

Der Film liegt auf BluRay in der deutschen (Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0 und DTS 5.1) und der schwedischen (Dolby Digital 5.1) Sprachfassung vor. An Extras finden sich lediglich Teaser und Trailer zum Film.

Nun ist Allan also zurück, und die Zuschauer erfahren wieder etwas mehr aus dem Leben des schrulligen Schweden. Erneut schlüpft der erst 53-jährige schwedische Komiker Robert Gusafsson in die Rolle des bekantesten Hunderteinjährigen der Welt. Regie führt wieder Felix Herngren, diesmal gemeinsam mit seinem Bruder Måns Herngren. Das Drehbuch, das nahtlos an die Geschichte des Erfolgsromans von Jonas Jonasson „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ anknüpft, haben Felix Herngren und Hans Ingemansson in Zusammenarbeit mit dem Autor verfasst.

Die Erzählweise in diesem Film ist wieder dem Protagonisten angepasst, und so muss man sich erst wieder an langsame Schnitte und eine gemächliche Darstellung gewöhnen. Im Gegensatz zum ersten Film fehlt aber die geschichtliche Bandbreite in den Rückblenden von Allans Erinnerungen. Somit hält sich Teil zwei vor allem mit dem Kalten Krieg in den 1970er Jahren auf, sonst dreht sich alles nur um die allseits begehrte "Volkssoda", was kaum Abwechslung in der Story bringt.

Wieso ein Kapuziner-Äffchen in diesem Film so viel Raum bekommt - es erinnert direkt an die "Hangover"-Filme - erschließt sich ebenso wenig wie die Tatsache, dass fast die Hälfte des Films nicht synchronisiert wurde. Daher bleiben Engländer, Amerikaner und Sowjets in ihren eigenen Sprachen und der Zuschauer muss die Anstrengung auf sich nehmen, und sich durch den halben Streifen lesen, was dem Filmgenuss überhaupt nicht zuträglich ist. Damit verliert diese Fortsetzung eine ganze Menge Charme, die der umtriebige und kauzige Allan noch im ersten Streifen versprühen konnte.

So richtig zünden will "Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand" nicht, dazu passiert zu wenig und die Story bietet kaum eine Abwechslung oder Weiterentwicklung. Es scheint, als hätten sich die Macher zu sehr darauf verlassen, dass die Präsenz des schrulligen Allan ausreichen würde, um einen weiteren Film-Erfolg aus Skandinavien zu generieren. Das hatte sich bereits an den deutschen Kinokassen bemerkbar gemacht, wo die Fortsetzung fast schon unter Ausschluss der Öffentlichkeit gezeigt wurde.

Vielleicht hätte man es doch bei einem großartigen und einzigartigen ersten Film belassen sollen, der es sogar auf zwei Oscar-Nominierungen gebracht hatte. Hier gilt nicht zwangsläufig, dass wer den ersten Film gesehen hat, auch die Fortsetzung sehen muss. Schade.

Pascal May