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LION - Der lange Weg nach Hause

Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung war "LION - Der lange Weg nach Hause" mit sechs Nominierungen einer der Favoriten, der Film war ging auch mit vier Nominierungen für den Golden Globe ins Rennen, am Ende ging er aber bei beiden Preisverleihungen komplett leer aus. Nun liegt die Verfilmung des Buchs "Mein langer Weg nach Hause", das die wahre Geschichte von Saroo Brierley erzählt, auf DVD und BluRay vor.

In dem kleinen indischen Dorf Khandwa lebt der kleine Saroo zusammen mit seiner Mutter, seinem großen Bruder Guddu und seiner kleinen Schwester. Die Mutter arbeitet schwer in einem Steinbruch, die Bruder helfen der Mutter, wo sie können. Guddu geht nachts arbeiten, und eines Abends möchte Saroo nicht alleine zuhause bleiben, um auf die kleine Schwester aufzupassen. Er möchte zusammen mit seinem Bruder arbeiten und Geld verdienen. Nach langem Betteln nimmt Guddu den kleinen Saroo mit, doch der Kleine soll am Bahnhof auf ihn warten. Saroo ist so müde, dass er bald einschläft, und als er wieder erwacht, kann er seinen Bruder nicht finden. Er klettert in einen leeren Zug, der ihn in die Millionenmetropole Kalkutta bringt. Dort kann er sich nicht verständigen, weil er kein bengal spricht, er weiß seinen Nachnamen nicht und auch nicht den Namen des Dorfes, aus dem er stammt. So kommt er auf Umwegen in ein Waisenhaus, aus dem er an das australische Ehepaar Brierley vermittelt wird. Er fliegt nach Australien und wächst dort in einem liebevollen Zuhause auf, doch auch zwanzig Jahre später plagt ihn noch immer die Unsicherheit, ob seine Mutter und sein großer Bruder ihn noch immer suchen. Gleichzeitig sucht er nach seiner Identität, seinen Wurzeln und seiner Heimat. Als er auf einer Party durch eine indische Süßigkeit an seine Kindheit erinnert wird, möchte er mehr über seine Herkunft erfahren. Er beginnt im Internet zu recherchieren, woher er stammen könnte, berechnet die Bahnstrecke, die er als Kind zurückgelegt hat. Seine australische Freundin Lucy kann nicht nachvollziehen, wieso Saroo seine eigentliche Familie finden möchte, doch er lässt sich dadurch nicht beirren. Er ist besessen davon, seine Heimat, seine Mutter und seine Geschwister zu finden.

Der Film liegt auf BluRay in der deutschen und englischen Sprachfassung (DTS-HD 5.1 Master Audio) vor. An Extras bietet die blaue Scheibe neben Behind The Scenes-Featurettes auch Interviews mit Cast und Crew sowie das Musikvideo "Never Give Up" von Sia.

Der britische Schauspieler mit indischen Wurzeln Dev Patel hat in den letzten Jahren eine unglaubliche Bandbreite in seinen Rollen gezeigt. Seinen internationalen Durchbruch feierte er mit dem Oscar-prämierten Film "Slumdog Millionär", für "LION - Der lange Weg nach Hause" wurde er mit für seine Darstellung für den Oscar nominiert. Dazwischen spielte er in beiden Teilen von "Best Exotic Marigold Hotel" wie auch in der ausgezeichneten TV-Serie "The Newsroom" mit. Nun ist er quasi wieder zu seinen "Slumdog"-Ursprüngen zurück gekehrt, und erzählt die wahre Geschichte des Saroo Brierley. Dies tut er in höchstem Maße intensiv, dass man als Zuschauer nicht umhin kann als mit ihm zu leiden und zu zweifeln, zu bangen und zu hoffen. Kein Wunder also, dass er für sein intensives Spiel für zahlreiche Preise nominiert wurde. An seiner Seite spielt vor allem Nicole Kidman, die Saroos australische Adoptivmutter spielt, die sich schon als Kind gewünscht hat, "Kinder mit brauner Hautfarbe" aufzuziehen. Die eigentliche darstellerische Sensation in diesem Film liefert allerdings Sunny Pawar, der in der ersten Hälfte des Films den kleinen Saroo spielt.

Immer wieder wurde die Handlung kurz zusammengefasst, indem gesagt wurde, dass der Film von Saroos Suche nach seiner wahren Identität handelt. Grundsätzlich ist das richtig, doch die eigentliche Suche stellt nur einen kleinen Teil der Handlung dar. In der ersten Hälfte des Dramas wird ausführlich die Geschichte des kleinen Saroo erzählt, wie er von seinem Dorf über Kalkutta nach Tasmanien kommt, bis Dev Patel die Rolle des erwachsenen Saroo übernimmt, vergeht knapp eine Stunde. Dass die Geschichte in aller Ruhe und Ausführlichkeit erzählt wird, tut dem Film richtig gut, und so kann sich der Zuschauer erst richtig an die unglaubliche Geschichte von Saroo hineinversetzen, bevor die Suche nach der Familie beginnt.
Die Bilder und Kameraeinstellungen sind von beeindruckender Schönheit und Intensität, die die Zuschauer ganz in die Story versinken lassen. Die Filmmusik läuft sehr einfühlsam im Hintergrund und fällt damit kaum auf, was das wohlige Gefühl des Films zusätzlich verstärkt, und somit ebenso zurecht, wie auch der Track "Never Give Up", für verschiedene Auszeichnungen nominiert wurde.

"LION - Der lange Weg nach Hause" ist allerfeinstes Wohlfühlkino, bei dem auch Drama und Spannung nicht zu kurz kommen. Die Story wird nur noch beeindruckender, wenn man weiß, dass es sich hier um eine wahre Geschichte handelt, worauf am Ende des Films eingegangen wird. So vergehen die zwei Stunden wie im Flug und die Zuschauer werden mit einem rundum wohligen Gefühl und der sicheren Erkenntnis zurückgelassen, dass nichts unmöglich zu sein scheint, egal wie groß und schwierig sich Probleme manchmal darstellen. Ein echtes Filmjuwel, perfekt inszeniert und gespielt, das man sich nicht entgehen lassen sollte!

Pascal May