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Maria Magdalena

Manche Geschichten müssen einfach neu erzählt werden, um mit einem alten Mythos aufzuräumen, anders funktioniert es wohl nicht. Gerade mit den biblischen Geschichten verhält es sich so, weil da gerne mal Interpretationen weitergegeben werden, die nicht stimmen, und sich dennoch, oder gerade deswegen, ewig halten. Unter anderem bei der Geschichte um Maria Magdalena verhält es sich eben so, die jahrhundertelang als Prostituierte gebrandmarkt wurde, und nun durch Papst Franziskus offiziell den anderen Aposteln Jesu gleichgestellt wurde. Diese neue Geschichte ist nun als "Maria Magdalena" für das Heimkino verfügbar.

Schon früh wird erkannt, wie begabt Maria als Geburtshelferin ist, wie sie die Gebärenden durch intensive Blicke beruhigen kann. So wird sie zu allen Geburten in der Umgebung gerufen. Der Meinung Marias Brüder nach ist aber auch das Gebären selbst eine wichtige Aufgabe für Frauen, eben auch für Maria. Da sie noch immer alleine ist, soll Maria verheiratet werden, doch die erklärt nach einem intensiven Gebet in der Synagoge, dass sie zu einem solchen Leben als Ehefrau und Mutter nicht bereit sei. Ihre Brüder sehen in dieser Meinung das Werk eines Dämons, und so sollen Maria durch einen Exorzismus im See die Dämonen ausgetrieben werden. Sie rufen auch nach dem Rabbi, der sich ihr als Jesus zu erkennen gibt. Von ihm und seinen Reden begleitet sie den Rabbi fortan auf seinem weiteren Weg und reiht sich in die Riege der Jünger ein, in der insbesondere Petrus eine gewichtige Rolle übernimmt. Marias Rolle wächst immer weiter, und nachdem die männlichen Jünger keine Frauen taufen wollen, fällt diese Aufgabe Maria zu. Die anderen Jünger sehen die Frau in ihren Reihe eher skeptisch, einzig Judas begrüßt sie herzlich und integriert sie in diesem Männer-Kreis. Die Jünger, und somit auch Maria, folgen Jesus nach Jerusalem. Unterwegs erleben sie unter anderem das Wunder der Erweckung des toten Lazarus. Nach der Reinigung des Tempels durch den Heiland folgt das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern, dem auch Maria beiwohnt. Sie verfolgt auch dessen Festnahme und Kreuzigung und wacht an seinem Grab. Nach dessen Auferstehung, der Maria als erste erlebt, verkündet sie die Botschaft den Jüngern, die ihr zunächst nicht glauben wollen.

Der Film liegt auf BluRay in der deutschen, französischen, italienischen, katalanischen (DTS Digital Surround 5.1) und englischen (DTS-HD Master Audio 5.1) Sprachfassung vor. An Extras finden sich auf der blauen Scheibe lediglich zwei sehr kurze Featurettes zur Regie und zur Besetzung.

Bereits in der "alten Kirche" wurde Maria Magdalena als "Apostelgleiche" verehrt, weil sie als erste genannt wurde, die dem auferstandenen Heiland begegnet ist. Dem Neuen Testament nach trug Jesus jener Maria die Auferstehungsbotschaft für die Jünger auf. Doch im Jahr 591 bezeichnete Papst Gregor I. Maria als Sünderin, woraus im Laufe der Jahre eine Prostituierte wurde. Diese Annahme hält bis heute an. Maria Magdalena, vermutlich nach ihrer Herkunft so benannt, da sie aus dem Ort Magdala am See Genezareth im Heiligen Land stammte, wurde erst am 10.06.2016 offiziell von der Katholischen Kirche als "Apostelin der Apostel" den anderen Jüngern bzw. Aposteln gleichgestellt und wurde damit nach all der Zeit rehabilitiert.
Der Film "Maria Magdalena" unterstreicht mit seiner Sichtweise auf die junge Frau aus Magdala diese neue Interpretation, und erzählt die Geschichten aus dem Neuen Testament aus ihrem Blickwinkel. So erfährt der Film eine recht feministische Sichtweise einer Frau, die sich gegen die männlichen Apostel behauptet und treu an der Seite des Heilands dient, um danach seine Botschaft zu verkünden.

Für die Besetzung der Hauptrollen wurde daher mit Bedacht ausgewählt, und so hat man letztendlich Rooney Mara als Maria besetzt, Joaquin Phoenix spielt den Jesus und Chiwetel Ejiofor den Apostel Petrus. Während Rooney Mara in ihrer Rolle förmlich leuchtet, bleiben die anderen beiden Hauptdarsteller in ihren Rollen blass, Phoenix gibt mitunter den eher bekifft wirkenden Heiland, während Ejiofor seine Rolle durchgehend beleidigt und genervt darstellt.
Lange ist nicht klar, wohin Regisseur Garth Davis die Zuschauer führen möchte, was dem Film sehr viele Längen gibt. Wer die Geschichten aus dem Neuen Testament nicht kennt, wird mitunter Schwierigkeiten haben, der Handlung zu folgen, da zahlreiche Begebenheiten nur angerissen oder in Bruchstücken dargestellt werden.

Am Ende ist fraglich, ob "Maria Magdalena" nur für die Katholische Kirche gedreht wurde, um die neue Lesart zu unterstreichen, denn für ein breites Publikum ist dieser Streifen schlichtweg zu sperrig. Die Ausstattung im Film ist mehr als spärlich, so dass man hier eher von einer Produktion reden kann, die selbst für Arthaus-Verhältnisse sehr minimalistisch geraten ist, um den Blick von Maria nicht abschweifen zu lassen.

Wer sich den Film ansieht, dem wird schnell klar, dass man ihn auch sehen wollen muss. Nebenher ansehen funktioniert auf keinen Fall, weil dann schnell Langeweile aufkommen wird.
Wer sich dennoch auf diese zweistündige Produktion einlässt, wird eine ganz neue Sichtweise aus der Bibel bekommen, und die Rolle der Maria in einem neuen Licht sehen. Von daher lohnt sich der Film. Allen anderen sei besser zu alternativen Produktionen biblischer Stoffe anzuraten.

Pascal May
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