Seit 50 Jahren ist die US-amerikanische Comedy-Show "Saturday Night Live" von den Bildschirmen nicht mehr wegzudenken. Es ist eine besondere Ehre, als Gastgeber oder als musikalischer Gast zur Sendung eingeladen zu werden. Zahlreiche Comedians haben sich erst in dieser Sendung ausprobiert, bevor sie die große Filmkarriere starteten, wie Chevy Chase, Eddie Murphy, Dan Aykroyd oder John Belushi, um nur wenige zu nennen. Aber wie hat damals alles angefangen? Das beleuchtet die wahre Geschichte "Saturday Night", die nun für das deutschsprachige Heimkino verfügbar ist.
Im NBC-Gebäude in New York ist von der großen Hektik noch nichts zu spüren, als am 11. Oktober 1975 die erste Ausgabe von "Saturday Night" über die Bildschirme flimmern sollte. Um 23.30 Uhr sollte die Sendung starten, 90 Minuten zuvor startet die Erzählung in diesem Film.
Produzent Lorne Michaels, der auch nach fünfzig Jahren die Sendung noch immer produziert, hat eine wilde Truppe junger Komiker und Autoren versammelt, um das Fernsehen grundlegend zu verändern. Er hat die Vision, etwas ganz Neues zu machen, doch weiß er selbst noch nicht ganz genau, welche Art Sendung "Saturday Night" am Ende werden soll.
John Belushi, schon damals unberechenbar, hat bis dahin noch nicht einmal seinen Vertrag unterschrieben, Dan Aykroyd fremdelt noch etwas mit seinem Outfit, Chevy Chase ist unbekümmert, wie immer, Jim Henson soll mit seinen Muppets auftreten, hat aber noch keinen Text bekommen, Andy Kaufman steht nur schüchtern in der Ecke, ein Lama soll mit auf die Bühne, und für das Bühnenbild soll ein Boden mit Ziegelsteinen gepflastert werden. Es herrscht blanke Anarchie 90 Minuten vor Sendestart. Dazu wollen Fernsehmacher aus dem ganzen Land vom Produzenten begrüßt werden, die NBC-Zensur besänftigt und Zuschauer gefunden werden.
David Tebet, Lorne Michaels Vorgesetzter, sieht sich das bunte Treiben eine ganze Weile an und hätte fast nur wenige Minuten vor Ausstrahlung der ersten Folge die Sendung eingestampft, weil er sie für unausgegoren hält. Bis Chevy Chase zum ersten Mal die magischen Worte "Live from New York it's Saturday Night" in die Kamera ruft, müssen die vielen Freigeister und das Chaos im Studio eingehegt werden, und das ist ganz und gar nicht einfach.
Der Film liegt auf DVD in der englischen, deutschen, französischen, italienischen und spanischen Sprachfassung (Dolby Digital 5.1) vor. An Extras finden sich ein Making Of, die Featurettes "The Look Of Saturday Night", "Creating Comedy Icons" und "Jon Batiste: Scoring Live" sowie Ausschnitte aus Super 8-Filmen aus dem Studio 8H wie auch ein Kommentar der Filmemacher.
Ganz sicher ist "Saturday Night" ein filmhistorisches Dokument, das die Stimmung, das Chaos und die Vorfreude auf die Sendung zeigt, wo fast durchgehend Alkohol und Cannabis konsumiert wurden und keiner so genau wußte, wie die Sendung am Ende werden würde. Doch als es dann los ging, hat sich alles gefügt, als wäre nie etwas anderes geplant gewesen.
Ein großes Lob gilt dem Casting, das die idealen und unverbrauchten Gesichter gefunden hat, in denen man die Comedy-Ikonen von damals auf den ersten Blick erkennt. Auch die Ausstattung muss gelobt werden, die alles getan hat, um das New York und das Studio im Jahre 1975 unverblümt zu zeigen.
Nur drei Nebenrollen sind prominent besetzt worden, und das war die richtige Entscheidung, damit nicht von der Handlung und der großartigen Comedians abgelenkt wird.
Regisseur Jason Reitman und sein Co-Autor Gil Kenan erzählen im Making Of, dass sie mit allen noch lebenden Menschen, die sich am 11. Oktober 1975 im NBC-Gebäude aufgehalten haben, gesprochen haben, um wirklich auch kleinste Details originalgetreu zu zeigen. Die Liebe zum Detail ist bemerkenswert, und lösen echte 70er Vibes aus.
Interessant ist bei "Saturday Night", dass es zwar um die größte, aufregendste und langlebigste Comedy-Sendung des Fernsehens geht, der Film aber alles ist, außer lustig. Man leidet förmlich durchgehend mit Lorne Michaels, als es plötzlich keinen Sound mehr im Studio gibt, Akteure nicht auffindbar und Texte noch nicht geschrieben sind. Daher ist der Film eher als Drama anzusehen. Ebenso bemerkenswert ist, dass "SNL", wie die Sendung in den USA abgekürzt wird, Millionen von Fans vereinigt, der Film aber an den Kinokassen gefloppt ist, was wohl auch am mageren Marketing durch das Filmstudio lag.
Gerade in diesem Jahr, in dem "SNL" sein rundes Jubiläum feiert und zahlreiche Aktionen hierzu geplant sind, macht es erst recht Spaß, in das Jahr 1975 abzutauchen, in dem Vieles noch nicht so selbstverständlich war, wie es im heutigen Fernsehen wäre. Man kann den damaligen Akteuren gar nicht genug danken, dass sie "Saturday Night" so groß gemacht haben, dass die Sendung auch heute noch mit großem Erfolg läuft.
"Saturday Night" verdient es, gesehen zu werden, und das nicht nur von Filmtheoretikern und Filmstudenten, sondern von einem großen Publikum, das sieht, woher Comedy im Fernsehen stammt!
USA 2024, 104 Minuten
mit Gabriel LaBelle, Cory Michael Smith, Ella Hunt