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Sehnsucht nach Paris

Isabelle Huppert sucht sich ihre Rollen meist danach aus, wer den Film inszeniert. So hat sie mit einigen bekannten und weniger bekannten Regisseuren schon mehrere Filme verwirklicht, und oftmals hatte sie dabei die Rolle der sperrigen Frau mit tiefgründigem Charakter inne. So verkörperte die vielfach hoch ausgezeichnete Schauspielerin zumeist unnahbare und kalte bourgeoise Madames oder die "femme fatale". Umso überraschender, dass sie nun die Hauptrolle in der Komödie "Sehnsucht nach Paris" übernommen hat, in der sie die Ehefrau eines Rinderzüchters darstellt.

Xavier züchtet seit über 30 Jahren in der Normandie Rinder. Als sein Zuchtbulle "Ben Hur" einen Preis gewinnt, stellt dies einen Höhepunkt in seinem Leben dar, das sich fast ausschließlich um Rinder dreht. An seiner Seite unterstützt ihn seine Ehefrau Brigitte, die er damals auf der Landwirtschaftsschule kennengelernt hat. Damals wollte sie noch Schäferin werden. Seitdem ihr gemeinsamer Sohn das Haus verlassen hat, um eine Ausbildung in Akrobatik an der Zirkusschule zu durchlaufen, verläuft das Leben von Xavier und Brigitte immer gleich und wenig aufregend, sie leben nur noch nebeneinander her. Auf einer Geburtstagsfeier im Nachbarhaus macht der wesentlich jüngere Stan der Mitfünfzigerin Brigitte schöne Augen und sie flirten heftig miteinander. Unter dem Vorwand, einen Hautarzt in Paris aufzusuchen, reist Brigitte in die französische Hauptstadt, möchte dort aber vor allem Stan wieder treffen, um ihren Flirt zu vertiefen, was jedoch vollkommen schief läuft. In ihrem Hotel trifft sie auf den dänischen Paradonthologen Jesper, der ihr ganz und gar den Kopf verdreht, und mit dem sie eine schöne Zeit verbringt. Durch einen Zufall erfährt jedoch Xavier, dass der Arzt, den Brigitte aufzusuchen vorgibt, schon seit Jahren nicht mehr praktiziert, und reist ihr nach.

"Sehnsucht nach Paris" liegt auf DVD in der deutschen und französischen Sprachfassung (Dolby Digital 5.1) vor. Bonus-Material gibt es keines.

In "Sehnsucht nach Paris" sieht man eine gut aufgelegte, frische Isabelle Huppert, die sichtlich Spaß daran hat, nach zehn Jahren wieder in einer Komödie mitzuwirken, und der man die Rolle der "petite bergère" in Gummistiefeln jederzeit abnimmt. Im vergangenen Jahr kam sie eigens zum Filmfest München, um ihren Film vorzustellen. Den bodenständigen Rinderzüchter Xavier spielt Jean-Pierre Darroussin, den dänischen Lover gibt Michael Nyqvist, weltbekannt aus der "Millennium Trilogie". Behutsam inszeniert wurde der Film durch Regisseur Marc Fitoussi, mit dem Isabelle Huppert bereits in "Copacabana" zusammen gearbeitet hat.

Ganz sicher ist "Sehnsucht nach Paris" keine Komödie, in der ein Witz den nächsten jagt. Vielmehr erzählt der Film von der Sehnsucht nach Freiheit und Veränderung und dem Spiel mit dem Feuer, und tut dies mit leisen Tönen, ohne aber ins Seichte abzurutschen. Die hochkarätigen und ausgezeichneten Darsteller sowie Paris und die Normandie als Drehorte tun ihr Übriges, um diesen Streifen zu einem wundervollen Stück "Wohlfühlkino" zu machen.
Ein kleiner Film mit herausragenden Darstellern, den man sich gerne in eine Decke gewickelt auf der heimischen Couch ansehen möchte, eben gelungenes französisches Kino.

Pascal May
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