
Sie tötet deinen schlimmsten Feind, wenn du ihren tötest ...
In einer Selbsthilfegruppe für Trauernde lernen sich an einem kalten New Yorker Abend zwei Frauen kennen. Beide haben ihre Liebsten durch brutale Verbrechen verloren und können nicht mit der Vergangenheit abschließen. Eine davon, Amanda White, deren sechsjährige Tochter Jess entführt, missbraucht und ermordet wurde, verlor auch kurz darauf noch ihren Ehemann, der sich das Leben aufgrund dieser Umstände nahm. Ihr Leiden noch verstärkend ist aber der Fakt, dass der Täter, ein vorbestrafter Börsenmakler namens Wallace Crone, durch eine Lücke im Justizsystem nach wie vor auf freiem Fuß ist. Die andere, die sich Wendy nennt, trauert ebenfalls um ihre Tochter, die Opfer desselben Schicksals wurde. Beide warten vergeblich darauf, dass der Täter zur Rechenschaft gezogen wird. In ihrer Verzweiflung und Ohnmacht schließen sie einen Pakt: Amanda wird den Mann töten, der Wendys Tochter vergewaltigt und ermordet hat und Wendy wird dafür Wallace Crone umbringen, den Mörder von Amandas kleiner Jess. Sie glauben, dadurch, dass sie keine offensichtliche Verbindung wie auch kein persönliches Motiv zu ihren Opfern haben, wird auch die Polizei keine verräterische Verknüpfung herstellen können. Doch der Plan geht schrecklich schief und die Geschichte nimmt eine ganz andere Wendung. Es scheint, dass eine der beiden ein falsches Spiel spielt.
Steve Cavanagh, Jahrgang 1976, wuchs in Belfast auf und zog mit 18 Jahren nach Dublin, um dort Jura zu studieren. Bevor er einen Job in einer großen Anwaltskanzlei in Belfast ergatterte, arbeitete er als Tellerwäscher, Türsteher, bei einem Sicherheitsdienst und als Call Center Agent. In seiner irischen Heimat machte er sich als erfolgreicher Bürgerrechtsanwalt einen Namen und war in zahlreiche prominente Fälle involviert. Inzwischen konzentriert er sich ganz auf seine Arbeit als Autor.
Woran erkennt man einen guten Krimi? Wenn es von der ersten Seite beginnend spannend ist. „Kill for me“ erfüllt diesen Anspruch in kompletter Weise. Steve Cavanagh versteht es geschickt, die Handlung in abwechslungs- und temporeiche Handlungsstränge zu teilen und durch ein hohes Erzähltempo eine enorme Sogwirkung zu generieren. Da kommt zu keiner Minute Langeweile auf und der spannungsgeladene Suchtfaktor wächst mit jeder Seite. Die anfänglich noch völlig unterschiedlichen Handlungsstränge verweben sich durch geschickte wie auch überraschende Wendungen zu einem Konstrukt, das einen mehr als einmal verwundert aufschauen lässt. Dazu kommt noch die immer wiederkehrende moralische Frage, ob Selbstjustiz wirklich in Einklang mit Recht und Gerechtigkeit zu bringen ist. Cavanagh beschreibt die damit verbundenen Gefühle und alles, was damit zusammenhängt, in einer Weise, dass man sich in jeden seiner Protagonisten hineinversetzen und mit ihnen mitfühlen kann. Dazwischen stehen noch die Detectives Andrew Farrow und Hernandez, die bei dieser emotionalen Achterbahnfahrt noch als Gegengewicht immer wieder Teil der Story werden. Dieser Mix führt zu ständig überraschenden Wendungen und unzähligen Cliffhangern steigern den Spannungsbogen kontinuierlich und so führt eins zum anderen, und es offenbart sich zum Ende hin ein raffiniertes und überraschendes Finale.
512 Seiten, Paperback, Goldmann Verlag, 17 Euro.
Der Freund (Bücher)
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