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Am Sonntag bist du tot

In den vergangenen Jahren war die kleine grüne Insel für viele Überraschungen gut, auch für filmische Juwelen. Allein die raue Landschaft macht die Szenerie wild und geheimnisvoll, doch auch die ausgezeichneten und viel beschäftigten Schauspieler, die Irland bisher hervor gebracht hat, veredeln jeden Film, allen voran Brendan Gleeson, Chris O’Dowd und Kelly Reilly. Alle drei sind in „Am Sonntag bist du tot“ vereint, einem Film um Missbrauch, Schuld und Sühne.

James Lavelle ist Priester in einem irischen Dorf an der Küste. Sein Leben verläuft in geordneten Bahnen, er ist beliebt in seiner Gemeinde, auch weil er sich um seine mitunter streitlustigen und gewalttätigen Schäfchen kümmert. Alles ist bestens, und so könnte es auch bleiben, bis er eines Tages die Beichte abnimmt, und ihm ein Dorfbewohner ankündigt, dass er ihn am folgenden Sonntag umbringen wird, weil er als Kind jahrelang missbraucht wurde. Da Lavelle ein guter und beliebter Priester ist, wäre der Aufschrei um seinen Tod nur noch lauter, wenn der nun stellvertretend für den anderen Priester sterben muss.
Obwohl der Dorfpriester die Stimme des Mannes erkennt, der ihn bedroht, muss er sich an das Beichtgeheimnis halten und kann nicht die Polizei einschalten. Es bleibt ihm nur eine Woche Zeit, um sich einer möglichen Hinrichtung zu stellen.

Der Film liegt auf DVD in der deutschen und der irischen Sprachfassung (Dolby Digital 5.1) vor. Das Bonus-Material ist übersichtlich gehalten, und so findet sich neben der Featurette "Glaubensfrage" lediglich der Trailer.

Die irisch-britische Co-Produktion hatte 2014 seine Premiere während des Filmfestivals in Sundance und lief danach während der Viennale sowie der Berlinale. Auf allen drei Festivals mauserte sich das Drama zu einem wahren Publikumsliebling und festigte den Ruf von John Michael McDonagh als herausragenden Regisseur und Drehbuchautor, der auch schon den Überraschungs-Hit „The Guard Ein Ire sieht schwarz“ geschrieben und inszeniert hatte.

„Am Sonntag bist du tot“ ist ein Drama von hoher Qualität, wild, sperrig, philosophisch und ungewöhnlich nicht nur in seiner Handlung. Regisseur John Michael McDonagh vereint für seinen zweiten Kinofilm nicht nur die irische Darsteller-Elite, die wilde irische Landschaft bringt er als weiteren Darsteller zum Ensemble dazu. Brendan Gleeson nimmt man seine Rolle als Dorfpriester jederzeit ab, Christ O’Dowd brilliert einmal mehr in einer wirren Rolle und Kelly Reilly überzeugt allein durch ihre Präsenz.

Einmal mehr hat die grüne Insel ganz großes Kino hervorgebracht, das wohl nicht jedermanns Geschmack treffen wird, aber ganz sicher seine Zuschauer nicht unberührt zurück lässt und zum Nachdenken anregen wird.
Wer den irischen Zungenschlag nicht gewöhnt ist, wird mit der Originalversion wenig Freude haben, doch auch die deutsche Synchronisation ist bestens gelungen.

Pascal May
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