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Bohemian Rhapsody

Sie gehören zu den weltweit erfolgreichsten Rock-Bands aller Zeiten, ihre Songs wurden zu Hymnen, ihre Video-Clips sind legendär. Nun ist es an der Zeit, die Geschichte hinter den vier Briten zu erzählen, die als "Queen" die Musikwelt veränderten. Einen ungefilterten Blick hinter die Kulissen der genialen Musiker und ihres exzentrischen Sängers bietet "Bohemian Rhapsody", benannt nach ihrem ersten großen Hit.

Farrokh Bulsara, geboren in Sansibar, dem heutigen Tansania, floh mit seiner persischen Familie nach London. Bereits im Internat erhielt er den Spitznamen Freddie, den er fortan tragen sollte. 1970 arbeitet er in der Gepäckbeförderung am Flughafen in Heathrow, seine Freizeit verbringt er in Clubs und liebt Musik. Nach einem Konzert von "Smile" trifft er den Gitarristen Brian May, einen Physik-Studenten, und den Schalgzeuger Roger Taylor, einen angehenden Zahntechniker. Nachdem ihr Sänger gerade ausgestiegen war, übernahm Freddie den Gesangspart der Band. Schon bald stößt der Bassist John Deacon dazu, der zu dem Zeitpunkt noch Elektrotechnik studierte. Damit war die neue Band mit dem klangvollen Namen "Queen" geboren, die sich immer mehr als Familie denn Band gesehen hat. Die Musiker haben sich gegenseitig angetrieben und ergänzt, nur so war der typische "Queen"-Sound möglich.
Nach einigen Demos und Singles werden ihre Songs im Radio gespielt, mit einem Auftritt in der BBC-Kult-Sendung "Top of the Pops" werden sie geadelt, auch wenn sie dort nicht live sondern nur zu Playback spielen dürfen. Sänger Freddie sucht nach einem klangvolleren Namen und nennt sich selbst in Freddie Mercury um.
Ihre Musik ist anders als die der anderen Bands, was nicht nur Vorteile mit sich bringt, vor allem nicht in ihrer Plattenfirma. Doch setzen sie sich immer wieder mit ihren Ideen durch und verändern damit die Musikwelt. Gleichzeitig lebt Sänger Freddie seine Extravaganz aus, was sich vor allem durch seine gewagten Outfits zeigt. Mit "Bohemian Rhapsody" schaffen sie es erstmals auf Platz eins der britischen Charts. obwohl es knapp sechs Minuten lang und aus verschiedenen Opernanteilen besteht.
Der Erfolg wird immer größer, nach jeder neuen Platte steht eine Welttournee an. Trotz des großen Drucks arbeiten die vier genialen Rock-Musiker höchst kreativ zusammen und schaffen damit einen Hit nach dem anderen. Während sich die drei Bandmitglieder Brian, Roger und John in der spielfreien Zeit mit ihren Familien zurückziehen, lebt Freddie ein dekadentes Leben, das von Party, Drogen, wechselnden Liebschaften und Alkohol geprägt ist. Er kauft eine riesige Villa, in der er für jede seiner Katzen ein eigenes Zimmer bereit hält. Seiner Frau Mary schreibt er das Lied "Love Of My Life", kann sie aber nicht halten, als er ihr seine Bi-Sexualität gesteht. Dennoch bleiben sie ihr Leben lang Freunde.
Freddie ist umgeben von falschen Freunden und Beratern, entfremdet sich von den anderen Band-Mitgliedern und riskiert sogar das Auseinanderbrechen der Band. Er zieht sich nach München zurück, um zwei Solo-Alben zu produzieren, mit denen er nicht voran kommt. Der Opportunist Paul, der sich als Freddies Freund ausgibt, schirmt seinen Schützling von allem und jedem ab, so dass das legendäre "Live Aid"-Konzert fast ohne "Queen" stattfindet.
In letzter Minute schafft es Jim "Miami" Beach, der Manager von "Queen", doch noch, die vier britischen Musiker bei "Live Aid" unterzubringen, wo sie einen legendären Auftritt hinlegen, der Fans, knapp 1,9 Milliarden Fernseh-Zuschauer und Organisator Bob Geldof begeistert.

Queen hat seit Jahren keine neue Musik mehr gemacht, Freddie Mercury ist 1991 verstorben. Und dennoch ist "Bohemian Rhapsody" einer der am meisten erwarteten Filme dieses Jahres. Und ich kann sagen: das Warten hat sich wirklich gelohnt!

Damit die Story auch dicht an den realen Ereignissen bleibt, sind die beiden Band-Mitglieder Brian May und Roger Taylor ausführende Produzenten des Films, Manager Jim Beach wie auch Graham King, Oscar-Gewinner für "Departed", fungierten ebenso als Produzenten.

Die Story beginnt 1970 mit der Gründung von "Queen" und endet mit ihrem legendären Auftritt bei "Live Aid". Wieso nicht weiter als bis 1985 erzählt wird, denn da kam ja noch was, bleibt offen.
Dennoch wird eine ganze Menge aus der Geschichte der Band, vor allem aber aus dem ausschweifenden Leben des Lead-Sängers Freddie Mercury erzählt. Letzterer wird als empfindsame Seele und genialer Musiker gezeigt, der Angst vor dem Alleinsein hatte, der sich Bestätigung und Freunde gekauft hat, um keine Enttäuschung zu erleben. Ebenso wird von der Liebe seines Lebens, Mary, erzählt, und wie einsam sie in der Beziehung war.
Mercurys Drogenexzesse wie auch seine Bisexualität werden gezeigt, aber auch seine triumphalen Auftritte, in denen er - wie niemand sonst, weder vor noch nach ihm - das gesamte Publikum in der Hand hatte.

Wer die Band und deren Erfolge in den 1970er und 1980er Jahren erlebt hat, wird während "Bohemian Rhapsody" jede Menge Gänsehauterlebnisse haben, so intensiv versinken die Darsteller in ihren Rollen. Allen voran ist Rami Malik zu nennen, eine perfekte Besetzung des Freddie Mercury, der den Sänger nicht nur spielt sondern lebt. Jede Gesichtsregung, jede Bewegung passt, fast könnte man meinen, Mercury lebt - mit Oberlippenbart wie auch ohne, im weißen Feinripp-Unterhemd oder im knallbunten Outfit! Mindestens ebenso genial spielen Gwilym Lee den Gitarristen Brian May, Ben Hardy den Schlagzeuger Roger Taylor und Joseph Mazzello den Bassisten John Deacon, dass man zwei Mal hinsehen muss, um zu erkennen, dass es sich nicht um die Echten handelt.

Für den Film wurde jede Menge Aufwand betrieben. So wurde die "Live Aid"-Bühne komplett nachgebaut, um die knapp zwanzigminütige Performance nachzuzeichnen. Auch wurden zahlreiche Musik-Videos mit den Schauspielern nachgedreht, Songs neu interpretiert, Konzerte und Pressekonferenzen nachgestellt. Dabei werden intime Blicke hinter die Kulissen gewährt und manches Geheimnis preisgegeben.

Besonderer Gag: Noch vor dem Beginn des Films wird die Fox-Fanfare nicht durch die berühmten Bläser intoniert sondern von Brian May in seiner unnachahmlichen Weise auf der E-Gitarre gespielt!
Fans der Rockband "Queen" werden in "Bohemian Rhapsody" eine Berg- und Talfahrt der Gefühle erleben, so perfekt und intensiv ist der Film geraten. Die Musik von "Queen" ist heute ebenso genial wie damals, und mit diesem Streifen lebt der Mythos erst recht weiter, und das in aller bester Weise!

Pascal May