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Dead Man's Wire

True Crime-Geschichten sind absolut im Trend, egal ob als Podcast, Film oder in Serienformaten. Das Gefühl, mittendrin und unmittelbar dabei zu sein und exklusive Informationen über den Fall zu erhalten reizt Fans sehr. Da verwundert es nicht, wenn das Angebot auf allen Plattformen immer weiter ausgeweitet wird. Über einen skurrilen Fall aus dem Jahr 1977 gibt es nun einen Film: "Dead Man's Wire" erzählt die Geschichte eines enttäuschten Kunden, der den CEO eines Finanzunternehmens als Geisel nehmen will, um seine Forderungen durchzusetzen und sein Geld zurück zu bekommen. Diese Geschichte ist nun auf DVD und BluRay verfügbar.

Fest entschlossen und mit einer Armschlinge am linken Arm und einem langen Paket in der rechten Hand betritt Anthony "Tony" Kiritsis am Morgen des 8. Februar 1977 das Gebäude eines Hypothekenunternehmers. Doch von Anfang an scheint sein Plan nicht aufzugehen. Schon am Empfang sitzt eine neue Dame, was Tony schon verunsichert. Als er nach dem CEO M. L. Hall fragt, erhält er zur Antwort, dass er nicht da sei, obwohl Tony zuvor einen Termin mit ihm ausgemacht hat. Da er auf seinen Termin besteht, wird er vom Sohn des CEO empfangen, Richard. Im Büro des Vaters angekommen, nimmt Tony Richard als Geisel und bedroht ihn mit einer präparierten Schrotflinte.
Tony nimmt seine Geisel mit zu sich nach Hause in seine kleine Wohnung, die von der Polizei und Scharfschützen umzingelt ist. Als Vermittler wählt er seinen Lieblingsmoderator aus dem Radio, Fred Temple.
Die Geiselnahme ist ein großes Fernsehereignis, nachdem die Presse von Anfang an darüber berichtet. Aber wird Tony seine Forderungen nach fünf Millionen Dollar, Straffreiheit und einer öffentlichen Entschuldigung durch den CEO erfüllt bekommen?

Der Film liegt auf DVD in der deutschen und englischen Sprachfassung vor, Extras gibt es keine.

Ein Mann, eine Geisel und ein Verbrechen, das Fernsehgeschichte schrieb. Doch nicht nur das, denn als Tonys Geschichte im Radio erzählt wird, erfährt er auch viel Sympathie aus der Bevölkerung, denn Tony wurde um viel Geld und seinen Traum, ein Einkaufszentrum zu bauen, damit es die Anwohner nicht mehr so weit haben, gebracht. Das Grundstück hatte er schon gekauft und von Hand gerodet, und plötzlich fehlt das Geld, um seinen Traum umzusetzen.
Somit ist "Dead Man's Wire" zunächst und vor allem eine klassische David-gegen-Goliath-Geschichte, in der der kleine Mann mit einem Traum nur gegen große Institutionen verlieren kann.
Dass dieser Fall 1977 genau so passiert ist, macht die Geschichte nur noch schräger.

Bei der Verfilmung dieses spektakulären Geiseldramas hat der für den Oscar nominierte Gus Van Sant Regie geführt. Im Zentrum steht Bill Skarsgård, bekannt aus seiner Rolle als "Pennywise", der als unberechenbarer Geiselnehmer Tony eine eindringliche Performance zwischen Verzweiflung, Wut und Kontrollverlust liefert. Die Rolle der Geisel spielt Dacre Montgomery, Radiomoderator Fred Temple spielt Colman Domingo. Schauspiellegende Al Pacino ist als CEO M. L. Hall zu sehen.

In "Dead Man's Wire" wird einer der außergewöhnlichsten Kriminalfälle der USA der 1970er Jahre rekonstruiert. Die Geiselnahme, die von vornherein unter keinem guten Stern stand, war eines der damaligen größten Medienereignisse in Radio und Fernsehen. Die Bevölkerung und die Presse fieberten mit, als es darum ging, dass ein hart arbeitender Mann von einem großen Finanzunternehmen um seinen Traum gebracht wurde, was den CEO dieses Unternehmens überhaupt nicht interessierte. Nicht einmal, dass einer seiner Söhne als Geisel genommen wurde.

Bei einer solchen Story kann doch in der Umsetzung als Film nichts schief gehen, oder? Aber genau da ist das Problem: Für den Geiselnehmer kann man kaum Sympathie aufbringen, obwohl jeder seine Wut verstehen und nachvollziehen kann. Die Geisel bleibt den ganzen Film über farblos, so dass man auch für ihn kein MItgefühl entwickeln kann. Die überforderte Polizei steht einfach nur hilflos da und wird vom Geiselnehmer ohnehin nicht ernst genommen. Selbst der Radiomoderator, den Tony als Vermittler einsetzt, lebt in seiner ganz eigenen Welt, wenn er ins Mikrofon säuselt, und kann damit bei den Zuschauern auch keine Punkte sammeln. Den CEO mag sowieso keiner, aber das soll auch so sein.
Letztendlich kann man den handelnden Personen nur dabei zusehen, wie sie unüberlegte Dinge tun, was aber niemanden berührt und schon gar keine Spannung entwickeln lässt. Auch die öde Darstellung der 1970er Jahre nimmt niemanden mit.

Somit bleibt "Dead Man's Wire" trotz hervorragender Besetzung nur ein beliebiges Stück Zeitgeschichte, das seine Zuschauer unbeeindruckt zurück und die Geschichte schnell vergessen lässt. Schade.

Pascal May