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mother!

Wenn man eine herausragende, zum Teil Oscar-prämierte Besetzung mit einem für den Oscar nominierten Regisseur und Produzenten zusammen tut, ist doch anzunehmen, dass dabei ein herausragender Film herauskommen sollte. Im Fall von "mother!", der nach kurzem Kinoeinsatz nun für das Heimkino verfügbar ist, ist diese Rechnung überhaupt nicht aufgegangen.

Ein Dichter lebt mit seiner deutlich jüngeren Frau in einem großen Haus. Während den Dichter eine Schreibblockade plagt, renoviert seine Frau ganz alleine das gesamte Haus. Eines Tages kommt ein scheinbar kranker Mann zu ihnen, der das Haus für eine Pension gehalten hat. Der Dichter gewährt ihm großzügig Herberge. Am nächsten Tag erscheint nun auch die Frau dieses Mannes, und auch sie lässt sich in dem Haus des Dichters und dessen Frau häuslich nieder. Bald kommen auch die beiden Söhne der Fremden zu dem Haus, und bringen alles durcheinander. Die Fremden begegnen vor allem der Frau des Dichters mit wenig Respekt. Es kommt in dem Haus zu einem Mord, und bald sind die Fremden wieder weg, doch die Anwesenheit dieser Menschen und die Ereignisse dieser Tage scheinen den Dichter derart inspiriert zu haben, dass er gleich einen Bestseller schreibt.
Monate später ist die Frau des Dichters schwanger, das Buch des Dichters ein großer Erfolg. Die Frau bereitet für sich und ihren lieben Mann ein intimes Dinner vor, als Fans des Dichters vor dem Haus stehen. Der Dicht lädt sie großzügig ins Haus ein. Es werden immer mehr Verehrer, die Herausgeberin kommt noch hinzu, und bald schon gerät die Lage vollkommen außer Kontrolle. Es kommt zu Gewalttätigkeiten, Randale, Hinrichtungen, Massenerschießungen, und dennoch kommen immer mehr Menschen zu dem Haus des Dichters. Der genießt seinen Ruhm sichtlich, und vergibt seinen Fans jede Art der Fehltritte. Die Frau des Dichters wird zu einem unrespektierten Spielball der Massen, bis es zur totalen Eskalation kommt.

Der Film liegt auf BluRay in der deutschen, französischen, italienischen, japanischen, spanischen (Dolby Digital Surround 5.1) und englischen Sprachfassung (Dolby Atmos) vor.

Der Regisseur Darren Aronofsky ist bekannt für seine eher schwer zugänglichen Stoffe. Für "Black Swan" wurde er für den Regie-Oscar nominiert, für "The Wrestler" erhielt er den Goldenen Löwen von Venedig. Mit "mother!" vermischt er nun Thriller- mit Horror-Elementen, wobei dieses Kammerspiel eine sehr übersichtliche Handlung hat: ein Paar bekommt Besuch, der ihr Leben außer Kontrolle bringt. Die gesamten 121 Minuten spielen ausschließlich im Haus, und in der Hauptsache bekommt man eine durchgehend panische Jennifer Lawrence zu sehen. Die weiteren Rollen sind mit Javier Bardem, der einen in diesem Film so richtig langweilt, Michelle Pfeiffer und Ed Harris ebenso hochkarätig besetzt, die jedoch nur die Funktion der Stichwortgeber und Störenfriede geben.

Wer sich auf diesen Film einlässt, sollte sich auf einen Nervenkrieg einstellen, der gleich nach dem Vorspann beginnt, und erst mit dem Abspann endet. Dazwischen sind sinnlose Gewaltexzesse und gröbste Respektlosigkeiten zu sehen, die sanften Gemüter den nächtlichen Schlaf rauben können. Letzten Endes lässt der Film seine Zuschauer aber eher ratlos zurück, da die Handlung mehr Fragen aufwirft als er beantwortet. Nicht einmal, was der Titel mit dem Film zu tun hat, wird klar, oder wieso es unbedingt eines Ausrufungszeichens im Titel bedarf.

Für einen netten Filmabend taugt dieser Film ganz und gar nicht, und wer ihn sich mit einer Tüte Chips in der Hand mal nebenher ansehen möchte, wird auch keine Freude daran haben. Ganz klar wird nicht, was der Regisseur mit seinem Film erreichen oder bezwecken möchte, schon gar nicht ist erklärlich, wieso diese großen Stars ihre Rollen überhaupt angenommen haben, denn für Ruhm und Ehre taugt dieser Streifen definitiv nicht.

Der durchschnittliche Filmliebhaber wird an "mother!" keine Freude haben, ihn mitunter als langweilig und unstrukturiert empfinden, es sei denn, er neigt zur Verherrlichung von Gewaltexzessen. Allen anderen seien deutlich bessere Filme mit dieser überaus großartigen Besetzung angeraten!
Wer ein gutes, und wirklich nervenaufreibendes Home-Invasion-Drama sucht, sollte zum deutschen Film "Invasion" greifen.

Pascal May