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Snowden

Er trägt einen der bekanntesten Namen der Welt, hat über drei Millionen Follower bei Twitter und folgt selbst nur einem Profil, lebt im russischen Untergrund und stellt für die USA den Staatsfeind Nummer eins dar: der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden.
Der US-Regisseur Oliver Stone, bekannt für seine politischen Filme und biographischen Streifen, hat das Snowdens Leben nun im Film festgehalten, wobei er sich lediglich auf den Zeitraum zwischen 2003 und 2014 beschränkt.

Edward Snowden, genannt Ed, war Soldat und wollte zur Elite gehören. Während der Ausbildung hat er seine Knochen überansprucht, worauf hin er aus der Army entlassen werden musste. Er bewarb sich, ganz ohne College Abschluss, bei der CIA, die seine außergewöhnlichen Fähigkeiten im Umgang mit Computern zu nutzen wußte. So wurde er in Tokio und Genf eingesetzt, hatte aber moralische Bedenken, wenn es um das Ausspähen von Privatpersonen ging, als er feststellte, dass nicht nur Verdächtige sondern grundsätzlich jeder Bürger überwacht wurde, weltweit. Selbst vor Staats- und Regierungschefs wurde nicht Halt gemacht. Offiziell sollte aber jede Überwachung erst genehmigt werden. Die Realität sah anders aus. Er kündigte bei der CIA, ließ sich aber von Subunternehmern der NSA einstellen, um für die zu arbeiten. Nachdem er feststellte, dass sogar seine Lebensgefährtin ausgespäht wurde, zog er die Konsequenzen und sicherte sich umfangreiches Material auf einen Datenträger, den er aus dem Hochsicherheitsbüro heraus schmuggelte. Es gibt für ihn moralisch nur einen richtigen Weg, und der führt an die Öffentlichkeit. Er übergibt das hoch brisante Material an Redakteure der britischen Tageszeitung "The Guardian", gleichzeitig wird seine Geschichte für den Dokumentarfilm "Citizen Four" auf Video aufgezeichnet. Von nun an wird er von den US-amerikanischen Behörden gejagt und muss ein Leben im Geheimen führen.

Der Film liegt auf DVD in der deutschen und englischen Sprachfassung (Dolby Digital 5.1) vor, daneben gibt es eine Hörfilm-Fassung. An Extras finden sich auf der Silberscheibe neben einer B-Roll lediglich Interviews mit Cast und Crew.

Ist Edward Snowden ein Held oder ein Krimineller? Dieser Frage stellt stellt sich der Oscar-prämierte Regisseur Oliver Stone in "Snowden" nur sehr bedingt, da er ihn uneingeschränkt als Helden sieht, was er so auch in seinem Film überträgt. Natürlich sind einige Vorgänge für den Film besonders dramatisiert worden, doch die Grundaussage bleibt glasklar. Insbesondere geht es in hier darum, wie aus dem lupenreinen Patrioten Snowden ein Whistleblower werden konnte, wie er hin und her gerissen eine Seite wählt, die für ihn anfangs nicht denkbar war. Gleichzeitig wird sein Privatleben mit seiner Freundin Lindsay aufgezeigt, wie sie mit all den Geheimnissen leben und umgehen muss, sich selbst aus Liebe zum Werkzeug der amerikanischen Geheimdienste macht und letzten Endes dennoch deren Opfer wird.

"Snowden" ist ein wichtiger Beitrag in der Diskussion, was der Staat darf und was nicht, was er dennoch tut wie weit die Überwachung längst geht, selbst über die Staatsgrenzen hinaus. Aufgezeigt werden auch die Verbindungen zu den großen Software- und Internetdienstleistern, denen sich Milliarden Menschen weltweit unterwerfen, und so ein System unterstützen, von dem sie nichts ahnen.

Für die US-Regierung ist Ed Snowden einfach nur ein Krimineller, der nun schon im vierten Jahr als Staatenloser in Russland lebt, wo ihm politisches Asyl gewährt wird. Für Millionen Menschen ist er ein Held, der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet werden sollte.

Aber mal Hand auf's Herz: Wer hat sein Online-Verhalten seit der Aufdeckung der Machenschaften der US-Regierung wirklich nachhaltig verändert? Vielleicht sollten sich all diejenigen, die noch immer behaupten, sie hätten ja nichts zu verbergen und deswegen nichts dagegen, von Geheimdiensten überwacht zu werden, "Snowden" noch einmal sehr aufmerksam ansehen.

Pascal May
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