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Sherlock - Staffel 4

Lange mussten die Fans des außergewöhnlichen Ermittler-Duos auf eine Fortsetzung warten, doch nun ist endlich die vierte Staffel von "Sherlock" auf DVD und BluRay erhältlich. Die Wartezeit konnte nun unzureichend mit dem Special "Die Braut des Grauens" verkürzt werden, in dem Sherlock Holmes und Dr. Watson im viktorianischen London ermitteln. Drei neue Folgen des genialen Meister-Detektivs und seines Sidekicks liegen vor, und die haben es in sich.

Noch immer ist unklar, ob Jim Moriarty noch am Leben ist, denn immer wieder erreichen Sherlock seltsame MItteilungen. In der Zwischenzeit gibt es aber private Veränderungen im Hause Watson, als John und Mary Eltern der kleinen Rosemund werden, Sherlock und Mrs. Hudson werden Paten. Gleichzeitig gilt es, gleich mehrere mysteriöse Fälle aufzuklären, wobei einer davon mehr über Marys Vergangenheit preisgibt.
Sherlock hat ein Drogenproblem, Watson möchte nichts mehr mit ihm zu tun haben, bis sie wieder ein Fall miteinander verbindet. Ausgerechnet der Millionär und Philantrop Culverton Smith soll ein gemeingefährlicher Serienmörder sein, der sich in einer Werbung gerne auch "Cereal Killer" (Cerealien Mörder) nennt. Eines nachts wendet sich angeblich Smiths Tochter an den Detektiv, doch unter dem steten Einfluss harter Drogen kann Sherlock Realität und Drogenwahn nicht mehr auseinander halten.
Familie Holmes soll nicht nur aus Sherlock und dessen älterem Bruder Mycroft bestehen, angeblich haben beide eine jüngere Schwester, Eurus, die seit ihrem fünften Lebensjahr weggesperrt wurde, weil sie durch ihre außergewöhnliche Intelligenz und ihrer hypnotischer Fähigkeiten eine erhebliche Gefahr darstellt. Bei einem Anschlag wird die Wohnung in 221 B Baker Street zerstört und Mrs. Hudson gibt ein paar Geheimnisse preis.

Die vierte Staffel liegt auf zwei DVDs in der deutschen und der englischen Sprachfassung (Dolby Digital 5.1) vor. Die knapp zweistündigen Extras beinhalten ausführliche Featurettes zu den drei Folgen, darüber hinaus die Specials "Behind 221 B", "John & Mary's Flat", "The Writer's Chat", "Mark Gatiss Video Diary Part 1 & 2", "Script To Screen", "Danny Hargreaves Video Diary" sowie "221 B Set Timelaps". Ein ausführliches Booklet mit zahlreichen Hintergrundinformationen rundet die Extras ab.

Der weltweite Erfolg der Neuauflage der Geschichten um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes, die auf den Büchern von Arthur Conan Doyle basieren, war auch gleichzeitig Fluch für die Produktion. Die beiden Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch und Martin Freeman arbeiteten an so vielen großen Produktionen mit, beide unter anderem an der "Hobbit"-Trilogie, dass es kaum mehr möglich war, Zeit zu finden, um beide gleichzeitig vor die Kamera zu bringen. Als kleines Trostpflaster gab es daher vor einem Jahr das Sherlock-Special "Die Braut des Grauens", doch die Fangemeinde wollte mehr ihres Fernseh-Helden sehen. In alter Tradition zeigte die BBC Teil eins der vierten Staffel am Neujahrstag, die beiden weiteren Teile jeweils eine Woche später; das deutsche Fernsehen ließ sich für die Ausstrahlung Zeit bis Pfingsten. Die Zuschauerzahlen waren, wie bei der Ausstrahlung der drei Staffeln zuvor, auch dieses Mal in Großbritannien und Deutschland stabil.

Diese vierte Staffel taucht sehr viel tiefer in die Geschichten und Abgründe der Familien Holmes und Watson ein, die Fälle geraten, im Gegensatz zu den vorhergehenden Produktionen, beinahe zur Nebensache. Drogensucht und Zwistigkeiten erschweren eine flüssige Erzählform, wie es die Zuschauer bisher gewohnt waren.
Sehr erfreulich ist jedoch, dass die bisherigen Nebenfiguren Mycroft und Mrs. Hudson in dieser Staffel deutlich mehr Raum bekommen als zuvor, und auch die Rolle von Watsons Frau Mary wird deutlich dominanter. Die Rolle des Jim Moriarty jedoch wird fast nur noch als Stichwort gebraucht.

Am Ende der vierten Staffel schließen sich einige Lücken; Fragen, die aus den vorhergehenden drei Staffeln offen geblieben sind, werden beantwortet, doch bis dahin muss der Sherlock-Fan viel Geduld aufbringen. Aufgrund der sehr komplexen und, wie es die beiden Drehbuchautoren und Produzenten Steven Moffat und Mycroft-Darsteller Mark Gatiss selbst erklärt haben, traumatisierenden Folgen sollte man sich für diese Staffel Zeit nehmen und sie gegebenenfalls zwei Mal ansehen, um die Fülle der Informationen und Handlungsstränge sortieren und richtig einreihen zu können.

Ob es eine fünfte Staffel geben wird? Das lassen die beiden Autoren und Produzenten wie auch die Informationen im Booklet offen. Lust dazu hätten offenbar alle Beteiligten, nun liegt es nur noch an den Terminplänen der beiden Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch und Martin Freeman. Denkbar wäre auch eine längere "Sherlock"-Pause, um die Serie zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzunehmen, was bei Produktionen der BBC nicht ungewöhnlich wäre.

Daher gibt es zum Ende der vierten Staffel keinen Cliffhanger, wie es sonst üblich war. So könnte es mit neuen Fällen für das Ermittler-Duo weitergehen, aber es wäre auch ein schöner Schlusspunkt. Lassen wir uns also in den kommenden Jahren überraschen, ob und wie es weitergehen könnte. Bis dahin lehnen wir uns am besten zurück und genießen alle vier Staffeln von "Sherlock". Am besten am Stück!

Pascal May
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