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Papamobil - Ein Papst On Tour

Zu den größten und beliebtesten Schauspielern in Frankreich gehört zweifellos Kad Merad, der sowohl das Spiel in Komödie wie auch Drama meisterlich beherrscht. Ist er in Frankreich längst kein Geheimtipp mehr, verbindet man ihn in Deutschland vor allem mit dem Publikumshit "Willkommen bei den Sch'tis", wo er einen südfranzösischen Postbeamten spielt, der in den Norden strafversetzt wird. Die neueste Produktion mit dem sehr wandlungsfähigen Franzosen, "Papamobil - Ein Papst On Tour" erscheint nun in Deutschland digital sowie auf BluRay und DVD.

Frankreich hat einen neuen Papst, den ersten seit dem Tod Papst Gregor XI. im Jahr 1376! Frankreich und die Welt sind ganz aus dem Häuschen!
Seine erste Reise soll Papst Barnabé VI. nach Lateinamerika führen, um auf die ungerechte Verteilung des Reichtums hinzuweisen. Die drei für die Finanzen zuständigen Kardinäle müssen dem Heiligen Vater aber eröffnen, dass sich der Vatikan keine Auslandsreisen leisten kann, weil er pleite ist. Weil der Papst an dieser Reise festhalten möchte, müssen die Kardinäle einen Weg finden, um diese Reise zu finanzieren. Fündig werden sie bei der mexikanischen Kommandantin Françoise, die an die Finanzierung aber Bedingungen knüpft. So soll Barnabé VI. werbewirksam an einem ihrer Events teilnehmen. Als der Papst nach einem öffentlichen Auftritt aber seine Heimreise antreten möchte, wird er kurzerhand von den Leuten der Kommandantin, der Chefin eines Drogenkartells, gekidnappt und zu ihr verbracht. Was sie aber nicht ahnen ist, dass die gekidnappte Person gar nicht der Papst ist, sondern nur sein Double, genannt "Papamobil".

Der Film liegt auf BluRay in der deutschen und französischen Sprachfassung (DTS HD Master Audio 5.1) vor. Extras gibt es keine.

Filme über den Papst gibt es inzwischen viele, seien es Dramen, aber auch Komödien, wie "Ein Papst büxt aus" mit Michel Piccoli in der Hauptrolle, in dem der Papst keine Lust auf öffentliche Auftritte hat und einfach abhaut. Sehr unkonventionell und provokant geht es auch in Paolo Sorrentinos "Der junge Papst" zu, in dem der erste US-amerikanische Papst, gespielt von Jude Law, den Vatikan gehörig durcheinander bringt.

Natürlich ist es immer eine Gratwanderung, wie weit eine solche Erzählung gehen darf, ohne religiöse Gefühle zu verletzen. Darf ein Papst Party machen, Alkohol trinken und einen Joint rauchen? Darf das Oberhaupt der zölibatären Kirche Sex haben? Darf der Heilige Vater Spaß beim Glücksspiel haben?
Regie Sylvain Estibal probiert es in "Papamobil - Ein Papst On Tour" einfach aus und erntet mitunter Entsetzen darüber, was gezeigt wird, da zunächst davon ausgegangen werden muss, dass es sich um den echten Papst handelt.
Vielleicht auch oder gerade deswegen ist dieser Film nie in die Kinos gekommen und startet als Direct to Stream/DVD, weil es sonst im mehrheitlich katholischen Frankreich zu Protesten hätte kommen können. Auch dem deutschen Verleih scheint dieses Thema zu heikel gewesen zu sein, weshalb der Papst-Film auch hierzulande auf keiner Leinwand zu sehen war.

Selbst ein großartiger Schauspieler wie Kad Merad kann das halbgare Drehbuch nicht mehr retten, ebenso wenig die herrlich aufgedreht spielende Myriam Tekaïa.
Die Grundidee, dass der Vatikan, der über tausende Immobilien allein in Rom verfügt, pleite gehen könnte, hinkt natürlich, aber lässt man sich auf die Idee ein, hätte es wirklich lustig werden können. Doch der Witz dieser Komödie verpufft in der ersten halben Stunde, und übrig bleibt nur übertriebene Party und ein ungarer Verlauf des restlichen Films, dessen Ende letztlich beliebig ist.

"Papamobil - Ein Papst On Tour" kann man so dahinplätschern lassen und sich am Spiel der beiden Hautdarsteller bei sonst eher platter Unterhaltung erfreuen. Schade.

Pascal May