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Filmfest München 2010

Es gab schon von allem mehr, beim "Filmfest München". Mehr Filme, mehr Besucher, mehr Promis. Dennoch war das Filmfest München 2010, das größte Publikumsfestival, ein voller Erfolg. Ausgezeichnete Filme in zehn verschiedenen Reihen feierten in München Deutschland-, Europa- oder Weltpremieren, zahlreiche Regisseure waren angereist, um ihre Filme zu präsentieren und um mit den Zuschauern zu diskutieren. Schwerpunkt war in diesem Jahr das Filmland Indien, jedoch fernab von Bollywood. Erstmals dafür eingerichtet war die „Open Lounge“, die Filmfest Lounge, die ab 22 Uhr für alle zugänglich war, um dort mit Filmleuten ins Gespräch zu kommen.
Weniger Besucher waren natürlich neben dem hochsommerlichen Wetter auch der Fußball-WM geschuldet, auch wenn Festivalleiter Andreas Ströhl nicht müde wurde zu betonen, dass das im Höchstfall 5% der Besucher ausmachen würde. Um die Wege kurz zu halten wurde im Restaurant über dem Cinemaxx, dem Hauptort des Filmfests, Fußball gezeigt.
Besondere Erwähnung sollten die zahlreichen Nachwuchsfilme finden, die meist von Hochschulabsolventen als Abschlussarbeit oder als erstem Film gedreht wurden, und erstaunlich hohe Qualität hatten. Viele andere wichtige Kinofilme, wie „Das letzte Schweigen“ oder der einzige deutsche Beitrag in Cannes, „Unter Dir die Stadt“ wurden gezeigt, aber auch gute Unterhaltung wie „Die Hummel“ und ganz besonders „Der letzte schöne Herbsttag“. Regionale Filme aus Bayern wie der neueste Krimi des Bayerischen Fernsehens „Sau Nummer vier“ fanden selbst bei einer Aufführung unter der Woche um 17 Uhr besonders viel Zuspruch. Hochkarätige deutsche Fernsehfilme wie „Kongo“, „Im Dschungel“, „Die Frau des Schläfers“, „Sie hat es verdient“ oder „Tod einer Schülerin“ gehörten ebenso zu den Highlights des Filmfests wie auch die französische von arte produzierte Miniserie „Carlos“, die in fünfeinhalb Stunden das Leben und Wirken des meistgesuchten Terroristen der Welt zeigte.
International gab es zahlreiche Filme mit großen Namen, die leider nicht immer das hielten, was sie versprochen hatten, doch auch hier gab es Ausnahme, wie im Anti-Kriegsfilm „Brothers“ mit Jake Gyllenhaal und Tobey Maguire in den Hauptrollen oder in „My Son! My Son! What Have You Done“ des deutschen Regisseurs Werner Herzog. Doch gerade in der Reihe der „American Independents“ waren echte Juwelen zu finden, darunter die sehr unterhaltsame Dokumentation „The People vs. George Lucas“, in dem „Star Wars“-Fans den Erfinder der Science-Fiction Film-Serie ihren Unmut über sein selbstherrliches Handeln spüren lassen.
Deutsche Prominenz, meist aus dem Fernsehen, war nicht ganz so zahlreich vertreten wie in den vergangenen Jahren, und fielen daher umso mehr auf. Zum Beispiel, als Comedian Michael Mittermeier seinen wichtigen Dokumentarfilm „The Prison When I Live“ über einen inhaftierten Comedian aus Burma vorstellte, und das an zwei Tagen hintereinander. Danach, so berichtete er, wird er den Film bei einem Filmfestival in Kanada präsentieren. Internationale Prominenz beschränkte sich fast ausschließlich auf hier zumeist wenig bekannte Regisseure, die ihre neuesten Arbeiten vorstellten. Ausnahme hier war der dänische Schauspieler und Bond-Bösewicht Mads Mikkelsen, Gewinner des diesjährigen „Cine Merit Award“, der das Festival durch seine Anwesenheit bereicherte, und dabei seine neuesten Filme „Valhalla Rising“ und „Die Tür“ vorstellte.
Nicht zu vergessen sind auch das Kinderfilmfest, bei dem unter anderem der Sandmännchen-Film seine Weltpremiere feierte, wie auch die Expertengespräche und die Reihe „Filmmakers live“, bei der sich Regisseure und Darsteller den Fragen des Publikums stellten.
Zahlreiche Preise wurden in kürzester Zeit vergeben, doch besonders gespannt war die Filmfest-Gemeinde auf den Gewinner des Bayern 3-Publikumspreises, der in diesem Jahr an den deutschen Kinofilm „Bergblut“ ging, der die Geschichte einer bayerischen Arzttochter in 1809 erzählt, die mit ihrem Mann nach Tirol fliehen muss, und dort von den Wirren des Krieges und des Volksaufstandes um Andreas Hofer erfasst wird.
Alles in allem war es wieder ein rundes Filmfest, und auch in 2011 wird es keinen Weg um das zweitgrößte deutsche Filmfestival herum geben. Dann im Zeitraum vom 24. Juni bis 2. Juli.

Pascal May
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