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Destroyer

Schauspielern zollt man für besondere schauspielerische Leistungen gerne Tribut. Wenn sie sich dazu noch zur Häßlichkeit ihrer Rollen bekennen, werden sie gleich für den Oscar gehandelt. So geschehen damals mit Charlize Theron, als sie die Hauptrolle in "Monster" gespielt hat, und ebenso in diesem Jahr, wenn Nicole Kidman kaum mehr als solche erkennbar die Rolle der Erin Bell in "Destroyer" spielt. Letzterer ist nun neu im Handel.

Als junge Polizistin hat Erin Bell versucht, den rücksichts- und skrupellosen Verbrecher Silas hinter Gitter zu bringen. Ihr Freund und Partner war bei ihr, kam aber bei diesem verdeckten Einsatz ums Leben. 17 Jahre ist das nun schon her, doch Erin kann keinen Freiden finden. Sie flüchtet in Drogen und Alkohol, verliert dabei ihre Tochter, und so verkommt die einst hübsche Frau immer mehr zu einem körperlichen und seelischen Wrack. Noch heute sucht sie nach Rache und Gerechtigkeit, und als sie einen Tipp bekommt, wie sie Silas endlich zur Strecke bringen kann, nimmt sie die Gelegenheit wahr, ihn zu jagen. Er muss ihre Sünden von einst wieder gut machen.

Der Film liegt auf BluRay in der deutschen (DTS-HD MA 5.1 und Dolby Digital 2.0) und englischen (DTS-HD MA 5.1) Sprachfassung vor. An Extras finden sich lediglich ein Mini-Making Of sowie Interviews mit Cast und Crew.

Die Weltpremiere von Karyn Kusamas „Destroyer“ beim Toronto International Film Festival hat bei Publikum und Kritik tiefen Eindruck hinterlassen. Bereits da war klar, dass Nicole Kidman für ihre intensive Rolle der gescheiterten Polizistin für zahlreiche Preise gehandelt wurde. Immerhin eine Golden Globe-Nominierung hat sie dafür bekommen. Doch auch Maske und Haare sollten für Preise bedacht werden, haben sie es geschafft, aus der schönen und strahlenden australischen Schauspielerin eine heruntergekommene und lebensmüde Frau zu machen.

Immer wieder springt die Erzählung zwischen den Ereignissen vor 17 Jahren und heute hin und her, wobei die Zuschauer immer mehr von dieser einst hochmotivierten und nun gescheiterten und abgestiegenen Polizistin erfahren. Auch die Nebenrollen sind bestens besetzt, darunter findet sich auch Tatiana Maslany, die für ihre vielschichtigen Rollen mehrerer Clone in "Orphan Black" bekannt wurde.

Die von der Kritik hochgelobte "Girlfight“- und "Man in the High Castle"-Regisseurin Karyn Kusama hat zusammen mit ihrem Autorenteam Phil Hay und Matt Manfredi für Nicole Kidman eine vielschichtige weibliche Cop-Figur geschaffen. Verletzlich und hart zugleich, gebrochen, unerbittlich und dennoch zuversichtlich zugleich liefert "Destroyer“ einen intimen Einblick in die Gefühlswelt seiner überaus komplexen Protagonistin. Die von Hitze flirrenden Bilder von Los Angeles runden das Bild dieser scheinbaren Ausweglosigkeit ab, die einst als Chance für ein besseres Leben gesehen wurde.

"Destroyer" ist sicherlich keine leichte Kost und kein Film, den man sich so nebenher ansieht. Die Wucht, mit der Nicole Kidman spielt, muss man ertragen und daher sollten sich Filmfans absolut auf diesen Film einlassen. Wer das kann, wird mit einer überaus starken schauspielerischen Leistung und einem sehr überraschenden Ende belohnt. Fans der schönen Nicole sollten um diesen Streifen besser einen Bogen machen.

Pascal May
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